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Dead By Sunrise – Chester Bennington im Interview

Dead By Sunrise
Oktober 2009

Wie drei deplatzierte Emo-Opas hocken Chester Bennington, Amir Derakh und Ryan Shuck in einer Suite des Hamburger Hyatt Hotels. Warum trägt man in ihrem Alter noch solche Frisuren? Weil die Rockmusik und das Friseur-Gewerbe ziemlich viele Gemeinsamkeiten haben, wie Ryan in diesem Interview behaupten wird. Doch nicht nur davon, auch von Flatulenz-Projekten, Partyorgien und Pornoindustrie-Einstiegsplänen berichten die drei Amis. Obwohl: Eigentlich berichtet zu 95 % der Chester – die Hierarchien sind klar verteilt in dieser Band, deren Debüt-Album “Our Of Ashes” jüngst Platz 5 der deutschen Album-Charts erklomm. Dass Dead By Sunrise dabei von der großen Anhängerschaft von Chesters Hauptband Linkin Park profitiert haben – wer will es bezweifeln? Na sei’s drum: Ring frei für Chester Bennington And The Hairdressers From Hell!

“Wir könnten ein Album mit Furzgeräuschen aufnehmen und die Leute würden das kaufen.”

Hi Guys! Ich mache das Interview für metal-hammer.de. Würdet ihr sagen, dass die Musik von Dead By Sunrise auch ein Metal-Element in sich trägt?
Chester: Nein.
Okay, dann vielen Dank für das Interview!
Chester: (*Lacht*) Ich glaube wirklich nicht, dass Dead By Sunrise viel Metal haben. Unsere Musik hat eher etwas Grungiges, dreckigen Punk und Auf-die-Fresse-Rock als Elemente. Für mich passt das am besten zu den Songs, die ich schreibe. Aber wenn ihr es wollt, dann sage ich gerne, dass wir Metal Spielen.
Amir: Ich habe ja auch einen Metal-Hintergrund.
Chester: Stimmt, Amir ist ziemlich Metal. Linkin Park war zu einer bestimmten Zeit ja auch Linkin Park ein bisschen Metal.
Amir: NuMetal haben die das damals genannt.
Chester: Ja, wie kleiner Heavy Metal. Kleiner-Scheiß-Metal.
Amir: Orgy waren ja auch irgendwie NuMetal.
Chester: Ich glaube, als NuMetal damals aufkam, wurde sogar über Metallica gesagt, dass sie NuMetal spielen würden. Ich habe damals einen Artikel gelesen, in dem etwas von ‚Metallicas NuMetal-Sound’ stand, und dachte nur ‘Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!’
Mit Linkin Park hast du ja im Prinzip alles erreicht, was man als Sänger einer Rock-Band erreichen kann – warum fängst du jetzt noch einmal von vorn an, was hat dich dazu motiviert?
Chester: Ich habe tatsächlich nicht geplant, eine neue Band zu gründen. Ich hab’ mich jetzt nicht hingesetzt und mich gefragt ‚hm, was könnte ich denn mal machen, das mir Linkin Park nicht geben kann?’ Du hast Recht – wenn ich die Wahl hätte, einer Band beizutreten, dann wäre das definitiv eine Band wie Linkin Park. Ich liebe unsere Musik, ich wäre ein Fan davon, wenn ich nicht in der Band wäre. Ich schreibe bei Linkin Park ja auch nicht die Musik für die Band, nur ein paar Melodien und Lyrics. Dort kann ich mit supertalentierten Typen zusammenarbeiten und abhängen und einfach in einer sehr guten Band sein. Nach „Mediora“ hatten wir eine Auszeit und beschlossen, ein Jahr Pause zu machen und danach am nächsten Album zu arbeiten – also ging ich davon aus, dass es zwei oder drei Jahre dauern würde, bis die Leute wieder etwas von Linkin Park hören würden. Ich fing an, Songs zu schreiben, bemerkte aber, dass sie irgendwie nicht zu Linkin Park passten, weil sie so einen grungigen, dreckigen Sound hatten. Daher habe ich Ryan und Amir gefragt, ob sie mir helfen würden, ein Album daraus zu machen – die Nummern passten definitiv nicht zu Linkin Park, waren aber auch gut genug, um irgendetwas damit zu machen. Es wäre eine Linkin Park Schande, gute Songs unter den Tisch fallen zu lassen, wenn man die Möglichkeit hat, irgendetwas mit ihnen zu machen. Also haben wir die Gelegenheit am Schopf gepackt.
Sprich: Die Songs auf dem Album sind inzwischen schon zwei oder drei Jahre alt?
Chester: Einige schon, andere sind aber auch erst kürzlich entstanden. Im Sommer 2005 fingen wir an, an diesem Album zu arbeiten, mussten Ende 2005 aber eine Pause einlegen, weil ich mit Linkin Park ins Studio ging und „Minutes To Midnight” aufnahm. Danach sind wir drei Jahre zu dem Album getourt und Dead By Sunrise lag auf Eis. Als wir dann alle wieder fertig waren – Julien-K haben ja zwischenzeitlich auch ein Album veröffentlicht – machten wir dort weiter, wo wir stehen geblieben waren. Die Songs, die sich dann noch relevant anfühlten, haben wir behalten, andere haben wir umgearbeitet. Außerdem habe ich auch noch neue Sachen geschrieben. Ich würde sagen, dass eine Hälfte des Albums von 2008 und die andere von der ersten Aufnahme-Session ist.
Kann man das stilistisch erkennen? Hören sich die älteren Songs anders an?
Chester: Das will ich eigentlich nicht verraten, da soll sich jeder selbst seinen Teil zu denken. Ich habe aber das Gefühl, dass sich die alten Songs, die wir behalten haben, heute immer noch relevant und gut anfühlen.
So wirklich bei null fangt ihr dann aber auch wieder nicht an mit Dead By Sunrise – du bist immerhin als „die Stimme“ von Linkin Park bekannt. Stört es dich, dass Linkin Park dieser Vergleich automatisch herbeigezogen wird, wenn der Name Chester Bennington fällt?
Chester: Nein, das stört mich nicht im Geringsten!
Letzten Endes ist es ja auch ein immenser Vorteil, oder?
Chester: Na ja, ich weiß nicht, ob das so ein Vorteil ist – immerhin sind die Erwartungen dadurch ziemlich hoch. Ein Vorteil ist natürlich, dass mich die Leute von Linkin Park kennen und sich deswegen auch für meine andere Band interessieren könnten. Dadurch haben wir natürlich einen gewissen Vorteil gegenüber den Bands, von denen man noch nie gehört hat und die gerade erst mit ihrem ersten Album rauskommen. Andererseits kann das auch nachteilig sein, weil die Leute vorgefertigte Meinungen haben. Sie stellen sich vor, wie das Album wohl klingen wird, und wenn es sich dann anders anhört – wer weiß, wie sie reagieren? Daher war es uns sehr wichtig, dass alle in der Band vom Album und den Songs überzeugt waren – erst dann hatten wir die Eier, es zu veröffentlichen (*lacht*).
Glaubt ihr, dass ihr damit viele Fans von Linkin Park und Julien-K rekrutieren werdet?
Amir: Das hoffen wir jedenfalls! Es wird natürlich nicht jedem gefallen, weil es schon sehr anders ist, aber es enthält definitiv auch Elemente aus den anderen Projekten, an denen wir schon beteiligt waren. Diese Elemente sind zwar die Basis, wir haben aber dennoch etwas völlig Andersartiges kreiert. Es wird also einige unserer alten Fans, aber auch ein paar neue Leute ansprechen. Auf den wenigen bisherigen Shows haben wir viele Fans von Julien-K gesehen, viele Fans von Linkin Park waren ebenfalls dabei und es hat anscheinend allen sehr gut gefallen.
Also eine Win-Win-Situation für alle?
Chester: Na klar! Es gibt auf beiden Seiten Die-Hard-Fans, welche von Linkin Park und Linkin Park welche von Orgy. Für die ist es völlig egal, was wir machen – ich meine, wir könnten ein Album mit Furzgeräuschen aufnehmen und die Leute würden das kaufen. Diese Fans gibt es natürlich, wir wollen aber niemanden dazu verleiten, unsere Band nur deshalb zu mögen, weil sie auch unsere anderen Bands mögen. Wir wollen, dass die Leute diese Band wegen ihrer Musik mögen – ansonsten würden wir sie nicht machen.
Amir: Es gibt für uns keinen Grund, so zu klingen wie unsere anderen Bands. Wir werden nicht wie Linkin Park klingen und wir werden definitiv nicht wie Orgy oder irgendwelche anderen Sachen klingen, die wir auch machen. Das ergäbe keinen Sinn. Es geht uns darum, eine neue Tür aufzustoßen, zu experimentieren und etwas Neues für uns alle auszuprobieren.
Ich habe gelesen, dass sich der Bandname davon ableitet, dass ihr ziemlich hart gefeiert habt, als ihr das Album aufgenommen habt?
Ryan: Ich meine, mich an ein oder zwei Partys erinnern zu können. Die letzte dauerte ungefähr drei Jahre.
Chester: Diese Info hast du wahrscheinlich in der Bio gelesen – das kannst du einfach so hinnehmen. Ich meine, yeah, es ist… yeah (*lacht*).

Den letzten Satz kurz in seiner unscheinbaren Eleganz wirken lassen und dann weiter zu Teil zwei

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