Devin Townsend Project: Hamburg, Grünspan, 09.03.2011
Live-Bericht: So war’s gewesen!
Pilgert man zu einem Gastspiel des Devin Townsend Project, darf man nicht weniger als ein gigantisches Metaltainment-Spektakel erwarten. Eine Erwartungshaltung, die der sympathisch-freakige Kanadier an diesem nasskalten Mittwochabend im etwa halbvollen Hamburger Grünspan sogar noch übertreffen kann: Das ist nicht nur gigantisch, das ist (wie Townsend selbst) von einem anderen Stern!
Als Support für Entertainment-Papst Townsend versucht sich die Einmann-Prog-Metal-Kapelle Aeon Zen von Mastermind Rich Hinks, der für seinen Auftritt ein paar patente Live-Musiker zusammengetrommelt hat. Mit überlangen Frickelnummern, Keyboard-Gedudel und Vocal-Effect-Overkill hätten sie zwar eher ins Vorprogramm von Dream Theater gepasst, doch gut gemacht ist das allemal. Beim abschließenden Zwölfeinhalbminüter ‚The Demise Of The Fifth Sun’ muss man sich dann aber schon fragen, ob Aeon Zen gar die Prog-Metal-Version von Celine Dion sind: „My heart will always be with you. I love you but fear I must go.“ Und dann gingen sie auch.
In der Pause wird es dann noch absonderlicher: Metal-Klassiker wie ‚Barbie Girl’, ‚Mambo No. 5’, ‚Chiquitita’ und ‚Stayin’ Alive’ dudeln vom Band, bevor schließlich ein Kurzfilm mit Townsends Kultsockenpuppe Ziltoid die Menge anheizt: „Let’s Become The Uber-Nerds“, fordert Ziltoid – kein Problem, denn nun betritt der Kapellmeister des Wahnsinns die Bühne und schmettert das programmatische ‚Addicted’ vom gleichnamigen Album in die tobende Masse. Was folgt, sollte jeder Stromgitarrensympathisant mindestens einmal in seinem Leben live erfahren haben: Gesichtsakrobat Townsend, anscheinend im Vanillepuddingrausch, und seine kanadischen Holzfällerzwillinge an Bass und Gitarre donnern ein technisch derart perfektes Set in den Saal, dass es einem die Sprache verschlägt. Der verrückte Glatzenmann reist quer durch seine umfangreiche Diskografie, gibt ‚Earth Day’ und ‚Deep Peace’ von der “Terria”-, ‚Kingdom’ von der “Physicist”- und mit ‚By Your Command’, ‚Ziltodia Attaxx!!!’, ‚Color Your World’ und ‚The Greys’ gleich vier Hits von der “Ziltoid The Omniscient”-Platte zum Besten, furzt ins Mikro, gesteht daraufhin „I’ve farted on stage like 30 times“ und schiebt’s auf den Vanillepudding. Selbst nach fast zwei Stunden hat der Saal noch immer nicht genug. „Are you guys serious? One more? That’s fucking supercool!“, freut sich Townsend, lädt für ‚Bend It Like Bender’ alle Willigen zum Mitfeiern auf die Bühne ein und wird schließlich vom frenetischen Mob auf den Schultern getragen. Mit diesem Finale furioso ist der fast perfekte Uber-Nerd-Irrsinn dann leider vorbei. Warum nur fast? Weil Anneke van Giersbergen einfach zu gut aussieht, um sie nur vom Band zu bringen. Stichwort: ‚Supercrush!’
(erschienen in Metal Hammer 05/2011)


































