Bring Me The Horizon, Architects &c: Hamburg, Grünspan, 29.06.2011
Alle Bilder: © Ben Foitzik. Verwendung jedweder Art nur mit Genehmigung des Fotografen.
(All pictures: © Ben Foitzik. Do not use without permission.)
Live-Bericht: So war’s gewesen!
Eine gut hundert Meter lange Schlange hat sich bei unwirtlichem „Schietwetter“ vor dem fast ausverkauften Hamburger Grünspan versammelt – so etwas hat man zum letzten Mal beim „Konzert“ von Daniel Küblböck gesehen (als man zufällig vorbeiging). Diesmal indes ist das gemischte britische Doppel Bring Me The Horizon und Architects für den bunten Auflauf verantwortlich – die bessere Entwicklung in der Musikfankarriere.
Klingt bekannt? Ist es auch! Vor ziemlich genau fünf Monaten gab’s das BMTH/Architects-Package schließlich an gleicher Stelle schon einmal zu bewundern. Den kompletten Text zu copyen und pasten wäre dann aber doch ein bisschen zu dreist. Anders als beim letzten Gastspiel (mit The Devil Wears Prada im Gepäck) stehen dieses Mal While She Sleeps aus Sheffield und der australische Hardcore-Punk-Zerstörer Deez Nuts für die beiden Hauptacts Spalier. Während die Briten den ordentlich gefüllten Saal mit ihrem austauschbaren Post-Punk-Hardcore-Hybrid nur langsam (aber durchaus solide) auf Stimmung rocken, brechen bei den Aussies die ersten Moshpits auf. Wirklich innovativ ist das, was Deez Nuts mit Mitgröl-Hymnen à la ‚Damn Right’, ‚Stay True’ oder dem finalen ‚I Hustle Every Day’ machen, zwar nicht, aber die Stimmung ist blendend, der Hexenkessel tobt und die dicke-Eier-Nummern machen letztlich auf eine archaisch-schöne Art und Weise Laune. Schon jetzt sind Deez Nuts der Gewinner des Abends.
Die beiden Hauptacts können nach ihren fulminanten Januar-Auftritten schließlich nur verlieren, denn besser als vor ein paar Monaten kann es kaum werden. Vor allem die Architects haben an dieser Bürde zu knabbern, erweist sich Sam Carters Stimme doch an diesem Abend als ziemlich angeschlagen. Denjenigen, die sich vorne im Pit prügeln, wird es egal sein, schließlich haben Kracher wie ‚Delete, Rewind’, ‚Numbers Count For Nothing’ oder ‚Early Grave’ auch mit Schmalspur-Stimme mächtig Druck, doch in sicherer Entfernung bangt man ein ums andere Mal, dass Carters Organ nicht völlig wegbrechen möge. Auch bei der Gänsehaut-Ballade ‚Heartburn’, bei der der Blondschopf seinem Publikum mal wieder die unmögliche Aufgabe stellt, jeder solle auf die Schultern seines Nebenmanns steigen, wird es einige Male kritisch. Schade, das haben sie vor ein paar Monaten wesentlich besser hinbekommen – doch wer wird sich bei derartigen Stimmbandverrenkungen ernsthaft darüber beschweren wollen, wenn es mal an einem Abend leichte Abstriche gibt.
Ganz auf stimmlicher Höhe erweist sich im Anschluss hingegen Oli „Das Lama“ Sykes, der mit bewährter Souveränität kreischt, keift und grunzt und wie immer nach jeder zweiten Nummer sein „Circle Pit“-Mantra runterbetet. Beim Disco-Kracher ‚Football Season Is Over’, bei dem der stickige Saal völlig Kopf steht, bekommt er kurzzeitig Unterstützung von Deez Nuts-Fronter J.J. Peters, der sich zu Recht noch einmal feiern lassen darf. Den Sympathie-Thron werden Bring Me The Horizon zwar an diesem (oder irgendeinem anderen) Abend nicht erklimmen, doch technisch passt hier einfach alles zusammen. Und wer sein (zugegeben noch recht frisches) Publikum derart im Griff hat, der kann ohnehin nicht viel falsch machen. Natürlich gibt es auf Sykes’ Drängen auch noch mal die obligatorische Wall of Death und letzten Endes verlassen fast alle mit brummendem Schädel, ächzenden Gliedern und einem schweißüberströmten Grinsen den Saal – vorbei an einem Tischchen mit Haarspray-Dosen, das die Security am Ausgang für deren Besitzerinnen (oder Besitzer?) aufgebart hat. Na ja.
(erschienen auf metal-hammer.de)


































