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Betzefer: Hamburg, Grünspan, 01.07.2011

Alle Bilder: © Ben Foitzik. Verwendung jedweder Art nur mit Genehmigung des Fotografen.
(All pictures: © Ben Foitzik. Do not use without permission.)

Live-Bericht: So war’s gewesen!

Auf seiner Website kündigt das Hamburger Grünspan die „Calavera Conspiracy“ an – egal, das hanseatische Metalvolk hat schon kapiert und pilgert brav zum Stelldichein des in trauter Harmonie wiedervereinten Cavalera-Clans, der Kelly Family des Heavy Metals. Zunächst eröffnen jedoch zur besten Freitagabend-Prime-Time die israelischen Groove-Monster Betzefer den Abend und rocken den gut gefüllten Saal in Stimmung. Ihr Rock/Metal-Bastard wird zwar nach einigen Nummern relativ eintönig, doch dank Wuchtbrummensongs wie ‚Early Grave’ oder ‚Fuckin’ Rock ’N’ Roll’ zählen die vier Israelis definitiv zu den besseren Vorbands – zumal Shouter Avital Tamir das Publikum mit seiner ansteckenden Energie voll im Griff hat und beim finalen ‚Doomsday’ Entertainerqualitäten beweist. Und weil wider Erwarten ein paar Minuten Zeit bleiben, schmeißt man als Zugabe noch ein Cover des Beatles-Songs ‚Helter-Skelter’ hinterher.
Eigentlich hätten Betzefer noch eine halbe Stunde länger spielen können – schließlich stellen die Cavalera-Bro’s die Geduld ihrer Fans im Anschluss mit einer 50-minütigen Pause stark auf die Probe. Man lässt sich bitten, doch als Max und Igor Cavalera zusammen mit Marc Rizzo und Johny Chow schließlich endlich aufs Parkett donnern, weiß man: Das Warten hat sich gelohnt! Mit dem garstigen ‚Inflikted’ beginnt die Cavalera Conspiracy ihr 80-Minuten-Set, das mit Krachern wie ‚Refuse/Resist’, ‚Desperate Cry’ oder dem auch nach knapp 25 Jahren immer noch absolut großartigen ‚Troops Of Doom’ natürlich auch einige Klassiker der alten Sepultura-Ära sowie mit ‚Wasting Away’ eine rumpelnde Nailbomb-Nummer zu bieten hat, die allesamt das Circle Pit auf Hochtouren bringen. Modisch wie immer eine Augenweide: Max im bewährten Tropen/Arktis-Camouflage-Ganzkörperlook, immer ranziger werdenden Zottel-Extensions (sind es Hasenpfoten, Fuchsschwänze, Hefezöpfe – man weiß es nicht) und einer mehr oder weniger funktionslosen Klampfe vor dem Bauch, die bei den meisten Songs gar nicht erst angeschaltet wird. Ebenfalls nicht immer an (in diesem Fall eher unbeabsichtigt): das Mikro von Max’ Stiefsohn Richie, der bei ‚Black Arc’ auch mal ein bisschen mitgrunzen darf. Überhaupt scheinen die Gigs der Cavalera Conspiracy die Funktion eines munteren Familienurlaubs zu übernehmen: Bei ‚Attitude’ tobt Max’ Sohnemann Zyon seine jugendlichen Muckies an den Drums aus, und nach dem finalen (ebenfalls genialen) ‚Roots’ darf Igors Knirps die Drumsticks in die johlende Menge werfen – süß. Auch wenn letztlich so gut wie jeder Song der Cavalera Conspiracy wie eine schlechtere Version eines (alten) Sepultura-Tracks klingt und an diesem Abend technisch einiges in die Camouflage-Hose geht, hat sich dieser Gig doch absolut gelohnt. Perfektion ist eben nicht alles – auf die richtige ‚Attitude’ kommt es an!

(erschienen in Metal Hammer 08/2011)

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