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Avenged Sevenfold: Hamburg, Markthalle, 16.11.2010

Live-Bericht: So war’s gewesen!

Bereits um 14 Uhr, so berichten Eingeborene, standen die ersten A7X-Jünger in frostiger Novemberkälte vor den verrammelten Toren der Hamburger Markthalle. Warum? Um sich fünf Stunden später bei Hallenöffnung sofort die besten Plätze in der ersten Reihe zu sichern! So läuft das nun mal bei den Backstreet Boys des Heavy Metals, die auch bei ihrem Gastspiel in der Hansestadt sowohl potenzielle Interviewpartner als auch Angestellte des Venues mit ihrem divenhaften Gehabe zu ungläubigem Kopfschütteln veranlassen. Aber wir wollen ja heute die Show auf der Bühne begutachten.
Welche Band könnte nun wohl würdig genug sein, die erhabenen US-Metal-Kings A7X zu supporten? Hyproglow heißt sie, spielt eher unspektakulären Metal-Rock und wird hier leider nur als Kanonenfutter verheizt: Bühnenbeleuchtung gibt es fast keine und der Sound ist ein einziger Kakophoniematsch, in dem die Vocals untergehen und die Drums wie Eimerdreschen klingen. Fast möchte man Absicht dahinter vermuten, damit der Support dem Hauptact nicht auch nur ein Promille der Show stiehlt – wäre ja nicht das erste Mal, dass eine Vorband unter fast unzumutbaren Bedingungen musizieren muss. Schade für Hyproglow, denn auf Platte klingen sie deutlich besser. Wie es an diesem Abend um die Altersstruktur des Auditoriums bestellt ist, decken die fünf Essener auf, als sie ihren jüngst abgetretenen musikalischen Helden Tribut zollen: „Wer kennt DIO?“ Verhaltener Applaus – davon hat man schon mal irgendwo irgendwas gehört. „Wer kennt Pete Steele?“ Keine Regung – vermutlich war das Gros der Versammelten zur Zeit von „Bloody Kisses“ einfach noch nicht gezeugt. Immerhin: Paul Gray bekommt gebührenden Beifall.
Als schließlich A7X nach intensivem Bühnenumbau, bei dem allein das Enthüllen des Totenkopffledermausbanners schrille Begeisterungstürme und gellende „Sevenfold!“-Sprechchöre auslöst, die Stage betreten, bestätigt sich dann die Theorie der Zweiklassengesellschaft: M. Shadows und seine Homies sind in ein poppiges Lichtermeer gehüllt und der Sound ist von Anfang an absolute Bombe. „This is a funny place“, attestiert M. Shadows nach dem furiosen Auftakt mit ‚Nightmare’ und ‚Welcome To The Family’ vom aktuellen Album “Nightmare” sowie ‚Critical Acclaim’ vom selbstbetitelten Vorgänger – und meint damit sicher auch, dass A7X aus Amiland deutlich größere Venues als die kuschelige Markthalle gewohnt sind. Dennoch – das muss man ihnen trotz aller Superstarallüren und Narzissmustendenzen zugute halten – geben die vier Kalifornier mit ihrem legendären Ex-Dream-Theater-Aushilfstrommler Mike Portnoy 100 Prozent und bieten ihren frenetischen Fans 80 intensive Minuten, zu deren Highlights die Gänsehautballade ‚So Far Away’ zu Ehren des „crazy motherfucker up there“ (aka The Rev), der Mitgröl-Gassenhauer ‚Almost Easy’ und die zweite Zugabe ‚Unholy Confessions’ zählen. Auch bei den Fans scheint die bewegende Reminiszenz an den vor einem Jahr verstorbenen Drummer gut anzukommen: Man quittiert den emotionalen Höhepunkt der Show mit schrillem Kreischen, das, wären die spärlich anwesenden Bierbecher (darf ja noch nicht jede(r)) aus Glas, dieses zum Bersten bringen könnte. Ganz klar: Heute ist The Rev alles andere als far away. Doch bevor die Stimmung noch völlig ins Melancholische abgleitet, holen die wie immer perfekt gestylten und auf ihrem eigens aufgebauten Bühnentreppchen bestens ausgestellten Musikanten das energetische „Afterlife“ aus dem Koffer und verwandeln den ganzen Saal in eine aus voller Kehle mitgrölende Masse.
Und zwischen hyperventilierenden Fans, anrührenden Feuerzeugschwenkeinlagen und krass überteuerten 30-Euro-Shirts muss man in puncto „critical acclaim“ dann letztlich doch attestieren: A7X wissen nicht nur neben sondern auch auf der Bühne eine fette Show abzuziehen. Und was soll es auszusetzen geben, wenn am Ende alle Jünger schweißdurchtränkt, glücklich und zufrieden sind? Love it – or hate it. Wie heißt es doch so schön in „Afterlife“: „I don’t belong here, we gotta move on, dear!“

(erschienen in METAL HAMMER 01/2011)

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