Armored Saint: Hamburg, Knust, 12.08.2011
Alle Bilder: © Ben Foitzik. Verwendung jedweder Art nur mit Genehmigung des Fotografen.
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Live-Bericht: So war’s gewesen!
Nach viel zu langer Abstinenz lassen sich die ehrwürdigen kalifornischen Metal-Weisen Armored Saint endlich wieder in deutschen Gefilden blicken und beehren auch das Hamburger Knust mit einem ihrer raren Gigs. Während vor dem Club das Auswärtsspiel des FC. ST. Pauli gegen Bochum in bierseligem Volksfest-Public-Viewing-Style zelebriert wird (inklusive Last-Minute-Happy-End), wird drinnen nicht minder bierselig dem gepanzerten Metal-Heiligen gehuldigt, der zuerst jedoch eine sonderbare Vorhut ins Rennen schickt: Die britischen Drescher Collapse, die mit ihrem nicht sonderlich innovativen Thrash-Brei und der rohen Reibeisenstimme von Sänger Duncan Wilkinson irgendwie nicht recht zum Hauptact passen wollen, testen ihre Wirkung aufs Publikum. Ergebnis: Außer höflichem Applaus gibt es eigentlich keine – nicht mal beim Priest-Cover ‘Between The Hammer And The Anvil’. Klassische Fehlbesetzung, aber immerhin ist das blaue Leuchtmikro cool.
Danach dauert es fast 50 Minuten, bis Armored Saint auf die Bühne kommen. Bis es so weit ist, klebt ein leicht verpeilt wirkender Roadie (der sich später auch als patenter Conga-Trommler erweisen wird) im Schneckentempomodus Playlists auf die Bühne, als würde der Weltfrieden davon abhängen. Das Schauspiel ist derart grotesk, dass man fast meinen könnte, der Mann wäre ein Comedy-Act. Dann, endlich, hat er fertig geklebt und der kalifornische Fünfer um den charismatischen Fronter John Bush brettert mit ‘Loose Cannon’, dem Opener des aktuellen Albums LA RAZA, aufs Parkett und wirft als zweite Nummer gleich den ‘March Of The Saint’ vom gleichnamigen 1984er Debüt hinterher. Falls es jemand vergessen haben sollte, ist spätestens jetzt glasklar: Armored Saint sind eine unerschütterliche Live-Macht! Und statt im weiteren Verlauf ihr Set einfach nur runterzuspielen, setzen die spielfreudigen Amis dann auf Interaktivität: Dreimal wird während des famosen Gigs eine (Deutschland-)Karte mit Songtiteln hervorgeholt, von der sich ein auserwählter Fan etwas wünschen darf: Luftgitarrenkönig Andreas wählt ‘Long Before I Die’, der mitteilungsfreudige Christoph (aus Hannover, aber in Hamburg geboren) ‘Aftermath’ und der textsichere Paul ‘Dropping Like Flies’. Wer sich zum Wunschkonzert auf die Bühne traut, darf einen Song mit der Band abhotten, was zu keiner Zeit affig, sondern einfach nur rundweg sympathisch wirkt. Dito für Bushs knackige „take care of the earth“-Message – kann man cheesy finden, sollte man aber nicht. Zu diesem Abend mit Armored Saint indes kann es keine zwei Meinungen geben: Das war absolut heilig!
(erschienen in Metal Hammer 10/2011)


































