Amon Amarth: Hamburg, Große Freiheit, 18.05.2011
Alle Bilder: © Ben Foitzik. Verwendung jedweder Art nur mit Genehmigung des Fotografen.
(All pictures: © Ben Foitzik. Do not use without permission.)
Live-Bericht: So war’s gewesen!
Akustische Völkerverständigung in der ausverkauften Großen Freiheit zu Hamburg: Langhaarige Amon Amarth-Gefolgsmänner treffen auf Käppiköpfe mit Black Dahlia Murder-Shirts und ein paar „klassische“ Death-Freaks, die erklärtermaßen „nur wegen Evocation“ hier sind. Einen ungewöhnlichen Support-Tross haben die Chartstürmer-Wikinger bei ihrer “Surtur Rising”-Tour am Start – aber irgendwie auch mal erfrischend, dass die starren Genregrenzen durch das abwechslungsreiche Line-up aufgebrochen werden.
Zuerst gibt’s schnörkellosen Death Metal à la Blau-Gelb auf die Ohren, mit dem Evocation das Publikum im Nu auf Touren bringen. Schon hier sieht man, dass sich das Konzept der stilistischen Mannigfaltigkeit an diesem Abend bezahlt macht, denn für eine Opening Band werden die fünf Skandinavier um die keifende Halbmähne Thomas Josefsson fast schon überschwänglich gefeiert – das Hamburger Publikum weiß nun mal, was gut ist. Und Evocation beweisen, dass sie gut sind, liefern eine leidenschaftliche Show ab und brettern rhythmische Riff-Infernos wie ‚Tomorrow Has No Sunrise’ oder den Titeltrack des aktuellen Albums “Apocalyptic” in den Saal.
Bei Black Dahlia Murder wird die Fan-Klientel in den ersten Reihen anschließend einmal kräftig durchrotiert: Statt Mähne dominiert der modische Kurzhaarschnitt, statt kreisender Köpfe gibt’s blaue Flecke – andere Länder, andere Sitten. Die fünf garstigen Amis, bei denen der obligatorische Basketballoutfit-Bassist nicht fehlen darf, legen in puncto Kakophonie-Attacke im Vergleich zu Evocation noch mal eine Schippe drauf und zerfetzen mit ihrem bösartigen Staccato-Core-Inferno die Gehörgänge. Nach ‚Moonlight Equilibrium’ vom aktuellen “Ritual”-Album, ‚Nocturnal’ vom gleichnamigen Longplayer oder ‚Funeral Thirst’ vom Debüt ist der gewöhnliche Death-Metal-Fan dann vegetativ aber auch amtlich zerstört. Ein (teilweise wortwörtlich) fettes Massaker.
Zu guter Letzt betreten gegen zehn Uhr die Kings of Viking Metal die Bühne und rotzen dem explodierenden Saal ‚War Of The Gods’, den Opener ihres neuen Sprosses “Surtur Rising”, in die Weichteile. Die Bühne glänzt in Amon Amarth-typischem gelb-rotem Feuer-Look, die langen Wikinger-Mähnen rotieren synchron, Johan Hegg growlt sich die Eingeweide von innen nach außen – das Einherjer-Publikum bekommt, wofür es bezahlt hat. Neben „Klassikern“ wie ‚With Oden On Our Side’, ‚Masters Of War’ oder dem Party-Song ‚Guardians Of Asgard’ präsentieren die wie immer mit spitzbübiger Leidenschaft zu Werke gehenden Nordmänner mit ‚Destroyer Of The Universe’, ‚Slaves Of Fear’ und ‚Doom Over Dead Men’ natürlich mehrere Hits ihres aktuellen Longplayers, liefern insgesamt aber eine durchaus ausgewogene Reise durch ihre gewaltige Diskografie ab. Zwischendurch sorgen Heggs Geisterbahnstimmen-Ansagen, die er oft mit erstaunlich akzentfreiem Deutsch vorträgt, für angenehmen Comic relief. Nach einem fulminanten Medley aus ‚Victorious March’, ‚Gods Of War Arise’ und ‚Death In Fire’ kommen die langhaarigen Berserker für eine Zugabe auf die Bühne, die mit ‚Twilight Of The Thunder God’, ‚Runes To My Memory’ und dem finalen ‚The Pursuit Of Vikings’ wohl auch den letzten Fan glücklich macht. Gelungenes Finish einer angenehm abwechslungsreichen Ohrkanalbrandschatzung.
(erschienen auf metal-hammer.de)


































