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A Day To Remember etc: Hamburg, Große Freiheit, 19.02.2011

Live-Bericht: So war’s gewesen!

Samstagabend, 17:45 Uhr. Alter, schon mal was von der Sportschau gehört?! Aber was willste machen, um 22:30 muss die juvenile Emo-Herde vertrieben und der Club für den Reeperbahn-Partybetrieb hergerichtet sein. Die Schweden Adept haben die undankbare Aufgabe, den Kaffeeklatsch vor halbvollem Saal zu eröffnen: Die Blondieformation lässt mit derben Bässen die Eingeweide rotieren und donnert eine nette Metal-Melange aufs Parkett. Shouter Robert Ljung fordert bei “The Lost Boys”: „I wanna see some fucking bloodshed!“ Auch wenn’s dann doch nur ein paar Tröpfchen sind – kein schlechter Auftakt.
Auch die vier kalifornischen Post-Hardcore-Haarmodels Pierce The Veil verlangen nach kollektivem Prügelringelpiez. Sänger-Gitarrero Vic Fuentes (er hat die Haare schön) hopst in den Graben, um sich von seinen (weiblichen) Fans betouchen zu lassen, während seine Kollegen wie ein paar überdrehte Aufziehmänneken über die Bühne hüpfen. Gute Stimmung bei mittelmäßigen Songs – letztlich machen Pierce The Veil nichts, was The Used und Co. nicht schon vor Jahren gemacht hätten. Schön: Bei “Caraphernelia” stürmt A Day To Remember-Sänger Jeremy McKinnon als Gastgrunzer auf die Bühne („kreisch!“). Eher tragisch: In diesen 30 Sekunden zeigt er, wie man es richtig macht.
Als nächstes kommen die Alternative-Punkrocker Bayside, wirken im Emocore-lastigen Line-up aber etwas deplatziert. Songs wie “Sick, Sick, Sick” vom brandneuen Album “Killing Time” oder “Devotion And Desire” vom “Bayside”-Longplayer sind allerdings echte Live-Knaller, und am letzten Abend der Tour gibt das Ami-Quartett noch mal richtig Stoff. Die Mische macht’s, und eine angenehme Abwechslung sind Bayside allemal.
Dann plötzlich: schrilles Kreischen. Das Backdrop von A Day To Remember wird enthüllt – OMFG!!! Als McKinnon und Co. endlich auf die Bühne preschen und die Konfettikanone explodiert, erfüllt grelles Frischlingsquieken den Saal. Mit “2nd Sucks” von “What Separates Me From You” beginnen die Shooting-Stars aus Florida ihr Set – schenken ihrem aktuellen Werk ansonsten jedoch eher wenig Beachtung. Eindeutiger Fokus (in Zahlen: acht Songs) liegt auf dem Vorgänger “Homesick”. Soundtechnisch daddeln die Jungs im Vergleich zu ihren Einpeitscher-Bands in einer anderen Liga, Abstriche gibt’s nur in der B-Note für die wenig innovative Klorollen-Nummer und pathetischen Winkewinke-Alarm bei “Homesick”. Das Millencolin-Cover “No Cigar” und der „biggest fucking circle pit Hamburg has ever seen“ (to be honest: we have seen bigger ones) bringen den Laden auf Höchsttemperatur. Die Security keult anderthalbmeterweise vegetativ zermalmte Emo-Elsen aus dem Pit, bei der stimmungsvollen “If It Means A Lot To You”-Zugabe kommen die Akustikgitarren zum Einsatz und “The Plot To Bomb The Panhandle” setzt den fulminanten Schlussakkord. Diesmal mit Goldkonfettiregen, na klar. 21:30 Uhr – schlafen gehen!

(erschienen in METAL HAMMER 04/2011)

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