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MUSIK# The Devin Townsend Project – Vom Extrem-Metaller zum Pop-Musiker

Bloged in Stories von admin Sonntag Juli 3, 2011
Devin Townsend

THE DEVIN TOWNSEND PROJECT

Zwei Jahre nach den ersten beiden Teilen „Ki“ und „Addicted“ präsentiert der glatzköpfige Metal-Philosoph Devin Townsend mit dem garstigen „Deconstruction“ und dem luftigen „Ghost“ Teil drei und vier seiner „verrückten“ Selbstfindungs-Tetralogie. Ergebnis: Der Apfel der Erkenntnis ist eigentlich ein Cheeseburger.

Soeben hat Devin Townsend im heimischen Kanada die letzte Probe für die anstehenden Europakonzerte beendet, in wenigen Stunden geht der Flieger. Kein Grund jedoch, nicht noch eben ein Interview einzuschieben. „Interviews sind immer willkommen“, behauptet er glaubwürdig. „Schieß los, Dude!“
Doch was fragt Dude einen genialen Musiker wie Devin Townsend, der mit seiner jüngsten Album-Tetralogie vier unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit musikalisch herausgearbeitet hat und – soviel verrät seine gigantische Diskografie als Solokünstler und Ex-Sänger der Industrial-Deather Strapping Young Lad – wie am Fließband komponiert? Dude muss gar nicht viel fragen, denn der Maestro redet von selbst. „Mit Strapping habe ich ziemlich harte Musik gemacht, doch je älter ich wurde, desto schwerer fiel es mir, dieses Level der Intensität aufrechtzuerhalten. Warum? Ich hatte einfach keinen Bock mehr. Mit dem ‚Deconstruction’-Album wollte ich also eine Art Schlussstrich ziehen unter diese harte musikalische Ästhetik. ‚Ghost’ hingegen ist die pure Antithese dazu und präsentiert die Musik, bei der ich mich derzeit am wohlsten fühle: Ambient-, New-Age- und Akustik-Zeug. Als Nächstes werde ich vermutlich Pop-Musik machen.“
„Deconstruction“ und „Ghost“ – zwei Alben, so unterschiedlich wie Tag und Nacht: Mit dem überbordenden „Deconstruction“, auf dem Townsend illustre Gäste wie Mikael Åkerfeldt (Opeth) oder Floor Jansen (Ex-After Forever) versammelt hat, macht er weder musikalisch noch inhaltlich Gefangene: Es geht um einen Vegetarier, der in die Hölle hinabsteigt und vom Teufel erfährt, dass der Schlüssel zum Leben in einem Cheeseburger steckt. Townsends Art zu sagen, dass die Suche nach dem Sinn des Lebens sinnlos ist. Auf dem Gegenstück „Ghost“ indes, zu dessen Softness der ehemalige Extrem-Metal-Head vor ein paar Jahren noch nicht „die Eier“ gehabt hätte, entführt er seinen Hörer in himmlische (Panflöten-)Sphären. Das ist ja fast… schizophren! Ups, kein gutes Wort, gar nicht. „Ich finde es verdammt frustrierend, dass man mir eine Geisteskrankheit unterstellt, nur weil ich unterschiedliche Gefühlslagen meiner Persönlichkeit zum Ausdruck bringe. Bist du nicht auch manchmal gut und dann wieder schlecht drauf?!“ Nachdem der aufbrausende Künstler überzeugt werden konnte, dass das Wort ‚schizophren’ als Ausdruck der fundamentalen Gegensätzlichkeit gemeint war und ihn nicht etwa als bekloppt hinstellen sollte, kehrt wieder Harmonie ein. „Sorry, Dude – ich bin etwas überempfindlich bei Geisteskrankheiten. Außerdem ist heute ein wilder Tag: Ich muss noch packen, Unterhosen kaufen und dann zum Flieger. Es tut mir leid, wenn ich etwas barsch rüberkomme.“
Selbst wenn Devin Townsend der barschste, unsympathischste Typ dieses Planeten wäre, müsste man ihn aufgrund seiner genialen Musik ja verehren. Doch am Ende eines Interviews seine vermeintliche Schroffheit zu entschuldigen und vom Schlüpper-Engpass zu berichten – das machen nur ganz wenige. Großer Typ, großer Künstler, große Musik.

(erschienen in Piranha 07/2011)


Devin Townsend

The Devin Townsend Project
“Deconstruction”
Insideout
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Devin Townsend

The Devin Townsend Project
“Ghost”
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