ARCH ENEMY
„From the ashes of a corrupt and dying world they rise like a phoenix, a godless entity. They are the khaos legions.“ Mit dieser unmissverständlichen Ansage im Intro ihres neuen Albums „Khaos Legions“ kehren Arch Enemy vier lange Jahre nach ihrem letzten Gift-und-Galle-Werk „Rise Of The Tyrant“ endlich an die Abrissbirnenfront zurück
Gut, 2009 präsentierte die unheilige deutsch-schwedische Metal-Allianz zwar die Übergangssättigungsbeilage „The Root Of All Evil“, doch jene Compilation neu eingespielter Tracks aus den Anfangsjahren der Band war letztlich weder Fisch noch Fleisch und ließ die Fangemeinde von Keiferin Angela Gossow, den saitenzwirbelnden Amott-Brüdern und dem Rest der Erzfeinde umso mehr nach frischen Ergüssen lechzen. Voilà, hier sind sie nun: Elf Mörder-Songs und drei Instrumentals haben Arch Enemy ihrem achten Studioalbum, dem fünften mit Gossow als haarzellenrodender Frontbelferin, spendiert und belegen mit einer kreativ-chaotischen Mischung aus ultrabösen Krachern und einigen unerwarteten, für ihre Verhältnisse fast schon poppigen Parts, dass man von dieser Band immer etwas Großartiges erwarten darf. Was aber sind die Chaos-Legionen? „Die Welt fühlt sich im Moment nach Umbruch, Erneuerung und Revolution an, wie man an den Unruhen im Mittleren Osten und in Nordafrika sieht – diesen Vibe haben wir mit ins neue Album genommen, auch textlich“, erklärt Gossow. „Wir hatten ja immer eine anarchistische, revolutionäre und atheistische Botschaft, aber nie so unverhohlen wie jetzt, sondern immer ein wenig poetisch versteckt. Bei diesem Album haben wir uns aber gedacht, dass wir nach über zehn Jahren Arch Enemy ruhig mal den Holzhammer auspacken können. Wir sind Teil einer Generation, die das Alte zerstören und etwas Neues aufbauen möchte – das sind die ‚Khaos Legions’.“ Und was genau wollen die? „Freiheit für alle!“
Heavy Metal war schon immer Sprachrohr der Revolution (Ausnahmen à la „Freibier für alle“ belegen die Regel), da passt es ins Bild, dass Arch Enemy nun, da die Welt näher denn je vorm Abgrund steht, auch deutlicher denn je mit ihr abrechnen. Nach wie vor ein beliebtes Thema: Religion. „Wir sind knallharte Atheisten und finden, dass Religion generell eins der furchterregendsten und meistmissbrauchten Machtwerkzeuge ist“, formuliert es Gossow mit der ihr eigenen Unverblümtheit. Ebenso ungeniert gibt sie dann allerdings auch zu, dass Arch Enemy mit dem antireligiösen Death-Rocker „No Gods, No Masters“ den softesten Track ihrer Karriere abliefern. „Das ist unser Schlager“, lacht sie. Mutige Ansage, zumal in der hypersensiblen Metal-Szene – doch auf anderer Leute Meinung haben Arch Enemy eh nie viel gegeben und sind damit auch stets gut gefahren. Und um den Härtegrad der Band an sich muss man sich eh nicht sorgen, denn dass sich Gossow und ihre Jungs in Zukunft ganz dem Death-Schlager verschreiben, steht nicht zu befürchten. „Je oller, je doller“, kündigt die kesse Frontfrau an. „Altersmilde gibt’s bei mir nur beim Kaffee. Ansonsten werde ich auch noch im Schaukelstuhl Dismember, Morbid Angel, Entombed, Carcass, Obituary, Slayer und Testament hören.“ Okay, wir sprechen uns dann in 50 Jahren. Danke fürs Interview! „Gerne. Ich sehe gerade deinen Nachnamen hier – wurdest du da sehr mit gefoppt damals? Bist du deshalb zum Metal gekommen?“ Arch Enemy – in your face.
(erschienen in Piranha 06/2011)
Arch Enemy
“Khaos Legions”
Century Media
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