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MUSIK# Turisas – Steh’ und kämpf’ – aber nich wie Manowar!

Bloged in Stories von admin Samstag April 9, 2011
Turisas

TURISAS

Ein Album von der Stange ist der finnischen „Battle Metal“-Spezis Turisas Sache nicht. Statt also einen Quickie hinzulegen, haben sie sich nach dem Zweitwerk „The Varangian Way“ drei Lenze für ihr neues Metalhymnenmanifest Zeit gelassen. Ergebnis: das „ultimative Heavy-Metal-Musical“!

Wenn man sich nach einem finnischen Kriegsgott benennt, mit einem Debüt namens „Battle Metal” auf sich aufmerksam macht, stets mit blutiger Kriegsbemalung auf die Bühne kommt und obendrein einen Sänger am Start hat, der auf den Namen „Warlord” hört, dann wird man vermutlich auch auf seinem dritten Album weder über Schmetterlinge noch Herzschmerzromantik noch Umweltverschmutzung singen. In Turisas Drittling „Stand Up And Fight“ ist daher auch drin, was drauf steht: Geschichten von tapferen Nordmännern und blutigen Schlachten, jede Menge Pathos und Abenteuer, dicke Eier im Neunerpack. Auf eine Stufe mit den legendären „Kings Of Metal“-Posern wollen sich Warlord und seine Turisas-Horde dann aber doch nicht stellen lassen, auch wenn der plakative Albumtitel Manowar-Assoziationen quasi aufdrängt. „Klar, der Titel ist ein reines Heavy-Metal-Klischee“, gibt Sänger Warlord alias Mathias Nygård zu. „Aber das ist beabsichtigt, es sollte ein Schlag ins Gesicht sein. Für mich geht es auch gar nicht um ‚Stand Up And Fight’ à la Manowar, wo man mit dicken Muckies und eingeölten Bodies schwertschwingend im Wald herumrennt. Es geht darum, mutig und standhaft zu sein und nicht vor allem seine Augen zu verschließen.“ Gut, dem könnte man entgegenhalten, dass auch Manowar behaupten, ihre Texte wären als Metaphern dafür gedacht, die Widerstände des Lebens zu bezwingen. Doch im Zweifel nimmt man es den finnischen Wikingererben Turisas dann doch eher ab als den in viel zu enge Walmart-Lederfummel gepressten US-Sesselpupser-Stahlkriegern Manowar.
Drei lange Jahre liegen zwischen dem neuen Werk und seinem Vorgänger „The Varangian Way“, einem Konzeptalbum über die Odyssee der skandinavischen Waräger auf russischen Flüssen bis ins ferne Konstantinopel. Zwar knüpft „Stand Up And Fight“ nun daran an, ist jedoch nur als lose Aneinanderreihung von Abenteuern der Waräger im Byzantinischen Reich des 11. Jahrhunderts gedacht. „Die neuen Songs sind zeitloser gehalten – es macht ja schließlich nicht viel Unterschied, ob man sich im Byzanz des 11. oder im Europa des 21. Jahrhunderts wie Scheiße fühlt, oder? Einige Stücke handeln vom Niedergang von Imperien, Zerfall von Institutionen und Dekadenz und haben somit auch einen Bezug zur Gegenwart“, führt der Warlord aus.
Anders als in der Vergangenheit ließen sich Turisas dieses Mal für ihre Metal-Hymnen von einem echten Orchester unterstützen – und das war eine verdammt gute Idee, wirken die Songs dadurch doch viel authentischer, gewaltiger und vielschichtiger als früher. „The real deal is always the real deal“, weiß der Warlord, für den sich die zermürbend aufwändige Studioproduktion letztlich gelohnt hat. An deren Ende stand schließlich das „ultimative Heavy-Metal-Musical“, wie die Finnen ihr neues Album selbstbewusst aber keinesfalls selbstüberschätzend beschreiben. Na dann los jetzt, aufstehen und kämpfen! Wenn’s sein muss auch mit eingeölten Muckies und frisch poliertem Zweihänder.

(erschienen in Piranha 03/2011)


Turisas

TURISAS
“Stand Up And Fight”
Century Media
Bereits erhältlich
Guckst du hier

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