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MUSIK# De Staat – Maschinen, Bodybuilder und eine Ratte

Bloged in Stories von admin Mittwoch April 27, 2011
De Staat

DE STAAT

“Man kann das Gefühl bekommen, dass in der Musik alles schon mal gemacht worden ist“, sinniert De-Staat-Mastermind Torre Florim. „Was wir machen, ist, Dinge zu kombinieren, die vorher noch nie miteinander kombiniert wurden, und daraus einen völlig neuen Sound zu kreieren – den Sound von De Staat.“ Ist den Niederländern dieses Vorhaben auf ihrem zweiten Album „Machinery“ wohl gelungen?

Irgendwie klingt das nach Queens Of The Stone Age. Die Stimme ist allerdings definitiv Nick Cave – aber hat der auch Falsett gesungen? Hey, das hier könnte Beck sein. Jetzt hat’s wieder was von Captain Beefheart. Oder Butthole Surfers. Oder Madrugada… Okay, geben wir uns geschlagen: De Staat mit anderen Bands zu vergleichen, ist absurd. De Staat sind De Staat. Aber: Wer sind eigentlich De Staat? Geboren im überschäumenden Kreativepizentrum von Sänger und Gitarrist Torre Florims Hirn, machte sein Ein-Mann-Rockprojekt De Staat in den Niederlanden erstmals Anfang 2009 mit dem Debüt „Wait For Evolution“ auf sich aufmerksam. Schnell merkte der sympathische Künstler aus Nijmegen, Hollands ältester Stadt, jedoch, dass es besser wäre, seine Musik mit einer vollständigen Band zu präsentieren, und scharte ein paar Musiker um sich, die ebenso verrückt waren wie er selbst. Eine weise Entscheidung, wie das wunderbare Zweitwerk „Machinery“ nun unter Beweis stellt. „Es wäre total bescheuert gewesen, das neue Album wieder alleine einzuspielen“, weiß Torre. „Als fünfköpfige Band klingt das einfach viel besser.“
Wie gut es wirklich klingt und was es denn nun für ein Style ist, kann man schwer in Worte fassen. Allein die ersten fünf Songs auf „Machinery“ loten stilistisch fast die komplette Bandbreite von Rockmusik aus – von stampfenden Dampflok-Krachern über emotionale Rock-Hymnen bis zu Gospel-Blues-Balladen und experimentellen Pop-Rock-Bastarden mit skurrilen Sounds ist hier einfach alles dabei. Torre begründet den breit gefächerten Ansatz so: „Jeder Song soll sein eigenes Gesicht haben. Wenn du ihn dann zu fünft einspielst, bekommst du automatisch deinen eigenen Sound. Und dann hast du auch ein gutes Album, bei dem jeder Song eine eigene Identität hat, trotzdem aber dem gleichen Sound unterliegt.“ Ein Sound, den man vermutlich einfach als Rockmusik deklarieren kann.
Textlich widmet sich Torre „ziemlich verrückten Dingen“ wie Halal-Schlachten, Massenmördern („Keine Angst, ich bin keiner!“), Whistleblowern oder (wie in der famosen Single „Sweatshop“) der Absurdität des Fitnessstudio-Hypes. Doch auch Persönliches gibt der junge Holländer preis: „Der Song ‚I’m A Rat’ handelt davon, dass ich ständig mit Frauen zusammen bin, die ich überhaupt nicht wirklich liebe.“ Aber hinterher ist man ja meistens schlauer. Alles schön und gut, doch warum heißt die ganze Geschichte jetzt „Machinery“? Torre: „Viele Leute haben gesagt, wir würden live wie eine unaufhaltbare Maschine klingen, wie ein Staccato-Holzfäller. Also haben wir versucht, ein paar maschinelle Elemente in unseren Sound einzubauen, um dieses besondere Element in unserer Musik noch mehr hervorzuheben. Das ist ja auch das Geheimnis: Du musst gucken, was einzigartig ist in deinem Sound, und das dann herausarbeiten.“ In dieser Hinsicht haben De Staat mit ihrem zweiten Album wirklich ganze Arbeit geleistet. Diese aufregende Rock-Maschine wird euch überrollen!

(erschienen in Piranha 04/2011)


De Staat

DE STAAT
“Machinery”
Mascot Records
Bereits erhältlich
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