GREEN DAY
Dass man mit Punkrock erfolgreich den Mainstream unterminieren kann, belegt kaum eine Band deutlicher als das US-Trio Green Day: Mit ihren aktuellsten beiden Alben „American Idiot“ und „21st Century Breakdown“ haben sie schließlich so gut wie alles erreicht, was man im Musikbiz erreichen kann. Nun legen sie noch mal nach: die spektakuläre CD/DVD-Live-Album-Kombi „Awesome As Fuck“
Schon mal bei einer Green-Day-Show gewesen? Nein? Dann ahnen Sie ja nicht mal ansatzweise, wie großartig Live-Musik sein kann! Was die drei kalifornischen Punkrock-Götter (bei über 65 Millionen verkauften Alben darf man wohl von Göttlichkeit sprechen) auf ihrer 2009er Welttournee zu ihrem Grammy-gekrönten Chartstürmeralbum „21st Century Breakdown“ auf die Bühnen brachten, war schließlich gigantisch, atemberaubend oder, etwas profaner ausgedrückt, einfach „geil wie Sau“. „Awesome As Fuck“ haben Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool also passenderweise ihr neues Live-Album getauft, das 17 Green-Day-Hits (darunter „Know Your Enemy“, „21 Guns“ oder den Titeltrack von „21st Century Breakdown“, die Highlights der Alben „American Idiot“ und „Dookie“ sowie ein paar weitere Live-Hämmer) enthält und die Gänsehaut-Atmo jedes einzelnen Gigs in glasklarem Sound phänomenal zur Geltung bringt.
Damit sich möglichst wenige jener Länder, in denen ihr aktuelles Studioalbum auf die Pole Position der Charts kletterte (es waren viele), vernachlässigt fühlen, haben die drei Grünlinge nicht nur eine sondern jede ihrer Shows auf besagter Tour aufgezeichnet und sich anschließend durch tonnenweise Material gewühlt, um die besten Momente ihrer globalen Gastspielreise präsentieren zu können: Von der Berlin-Show ist „When I Come Around“ vertreten, aus Montreal kommt „American Idiot“, aus Brisbane „She“, in Dublin gab’s „Holiday“, in Dallas „Gloria“, im österreichischen Nickelsdorf „Wake Me Up“ und Saitama in Japan grüßt mit „Geek Stink Breath“. Um ihre japanischen Fans mit dieser Songwahl nicht zu vergrätzen, gibt es aus Nippon noch ein besonderes Schmankerl in Form einer beiliegenden Bonus-DVD, die einen Konzertfilm mit 16 Live-Tracks des Tokio-Gigs enthält, der auch den visuellen Beleg dafür liefert, dass ein Live-Auftritt von Green Day etwas ist, das jeder Freund von Rockmusik in seiner Konzert-Vita stehen haben sollte: Vor spektakulärer Kulisse und unter irisierender Lightshow fackeln die Punkpoprocker ein gigantisches Spektakel ab, während die frenetisch wubbernde Sushi-Fanmasse bei jedem Song aufs Neue eine Welle der Begeisterung lostritt. Auch stilistisch ist der Konzertfilm beeindruckend, da er durch stimmige Filtertechniken zu einem ästhetisch wertvollen Gesamtkunstwerk verschmilzt.
Superlative, Exaltationen, Rekorde – ob die drei Green-Day-Musikanten angesichts ihres immensen Erfolges nicht irgendwann mal den Boden unter den Füßen verlieren und vergessen könnten, dass sie aus einer Szene kommen, der Mainstream-Gigantospektakel fundamental zuwider ist? „Wir sind Green Day, wir machen verdammt noch mal, was wir wollen“, fasst es Drummer Tré Cool seinem Pseudonym entsprechend zusammen. Und wenn sie statt zu proben einfach in die nächste Kneipe gehen und dort drei Stunden lang live spielen wollen, dann machen sie das eben. Auch heute noch. Und wenn sie ihr Live-Album „Awesome As Fuck“ nennen wollen, dann machen sie eben auch das. Auf Walmart-Auslage kann diese Band schließlich wirklich verzichten.
(erschienen in Piranha 03/2011)
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