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FILMKRITIK# Soul Kitchen

Bloged in Movies,Primi - Film von admin Mittwoch Dezember 8, 2010
Soul Kitchen

SOUL KITCHEN

Es gibt Filme, die sind zu schön um wahr zu sein: Grieche Zinos versucht wider alle Widrigkeiten, seine Wirtschaft „Soul Kitchen“ zu halten

Herzlich willkommen im Soul Kitchen! Das Fritteusen-Food-Restaurant von Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) in einer schäbigen Fabrikhalle in Hamburg-Wilhelmsburg kommt nicht recht in Schwung. Also engagiert Zinos den launenhaften Koch Shayn (Birol Ünel), der kürzlich bei einem Edelrestaurant gefeuert wurde und die Speisekarte im Soul Kitchen sogleich mit extravaganten Kreationen bestückt – was auch noch die letzten Stammgäste vergrault. Doch nicht nur beruflich, auch privat läuft es für Zinos alles andere als geschmeidig: Seine Freundin Nadine, erfolgreiche Journalistin, muss für mehrere Monate nach Shanghai, beim Anheben eines Küchengeräts zieht sich der (nicht krankenversicherte) Grieche einen Bandscheibenvorfall zu (und schlurft fortan wie ein lädierter Zombie über die Leinwand), der findige Immobilienhai Neumann (Wotan Wilke Möhring) will ihm die Fabrikhalle abluchsen und schließlich taucht auch noch sein Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) auf, der eine Schein-Anstellung im Soul Kitchen haben möchte, um seine Freigangzeiten aus dem Knast ausdehnen zu können. Als dann irgendwie eh alles egal ist, gestattet Zinos seinem Kellner Lutz, die großzügigen Räumlichkeiten des Soul Kitchen als Proberaum für seine Band zu nutzen. Und siehe da: Die Bad Boy Boogiez ziehen die Massen an, die die am Abgrund stehende Wirtschaft zu einem Szene-Lokal machen. Doch schon bald kommt es zur Totalkatastrophe für Zinos, weil Nadine statt griechisch auf einmal lieber japanisch Essen geht, Neumann nicht locker lässt und Illias ohnehin nicht über den Weg zu trauen ist.
Bevor Fatih Akin seine mit „Gegen die Wand“ und „Auf der anderen Seite“ begonnene „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie filmisch beendet, wollte er mit seinem Herzensprojekt „Soul Kitchen“ erst noch ein bisschen Spaß haben und lieferte mit dieser charmanten Loser-Ballade, die zugleich eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Hamburg ist, seine erste komödiantische Arbeit ab. Auch im schwierigsten aller Genres, der Comedy, besteht er mit Bravour und darf sich somit zu Recht als vielleicht bester Regisseur Deutschlands bezeichnen: Seine Figuren sind durchweg großartig gezeichnet, das gesamte Schauspielerensemble treibt er zu Meisterleistungen an und die (der tatsächlichen Vita seines Sandkastenkumpels Adam Bousdoukos nachempfundene) Story vom griechischen Gasthausbesitzer, der in der kühlen Hansestadt dem Gegenwind des Lebens trotzt, ist in ihrer zwischen warmer Melancholie und irrwitziger Komik pendelnden Dichte schlichtweg grandios. Man könnte weiter Superlativ and Superlativ reihen über den schönsten deutschen Film seit langem (in Akins Jargon ein „Dirty Heimatfilm“) und würde ihn doch nie wirklich beschreiben können. Hausaufgabe: Ansehen – und mitfeiern!

Ergo: Nicht nur für Fischköppe eine herrlich witzige Achterbahnfahrt durch die Lebenskrise eines unerschütterlichen griechischen Kneipiers in Hamburg. Danke, Fatih!

(erschienen in BIG PICTURE 09/2010)


BEWERTUNG

Soul Kitchen
OT: Soul Kitchen, D 2009 R: Fatih Akin D: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Wotan Wilke Möhring FSK: 12 Jahre L: ca. 96 Minuten Bild: 16:9 (1,85:1) Ton: DD 5.1 (Deu) UT: Deu Extras: Audiokommentar, Making-of, Kurzfilm, entf. Szenen u. a. A: Alive (Pandora) Bereits erhältlich Zum Beispiel hier



LEGENDE / LEGEND / LÉGENDE / LEYENDA / LEGGENDA / 图例 [圖例]

MINISTAR ROT

HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

MINISTAR GOLD

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

MINISTAR SILBER

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

MINISTAR BRONZE

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.

Und hier noch was zu gucken:

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