ALICE IM WUNDERLAND
Tim Burtons 3D-Wunderland-Vision sprengte im Kino die magische Milliarden-Mauer, stieß aber nicht überall auf uneingeschränkte Begeisterung. Hier aber schon!
Tim Burton verfilmt Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ – ein mutiges Unterfangen, gehören die mittlerweile über 140 Jahre alten allegorischen Kinderbücher um das kleine Mädchen, das ins Erdloch fällt und im subterranen Wunderland allerlei Abenteuer besteht, doch zur (erweiterten) Weltliteratur. Entsprechend kontrovers wird Burtons kunterbunte und zugleich rabenschwarze 3D-Phantasmagorie aufgenommen: Literatur-Puristen schelten sie als Mittel zum Zweck für Burtons Vorliebe zum Grotesken, Burton-Hardlinern ist sie nicht düster genug und wieder andere sind der Meinung, dass der Schöpfer von „Edward mit den Scherenhänden“ und „Sleepy Hollow“ mit der sinistren Neuinterpretation des Klassikers einen seiner besten Filme gemacht hat. Wir zählen uns zu Letzteren.
Burton mangelnde Werktreue vorzuwerfen, ist unsinnig: Seine Alice plumpst im Alter von 19 Jahren in den Bau – von ihrem ersten Wunderland-Besuch ist nur ein verschwommener Kindheitstraum geblieben. Längst ist die junge Frau im Korsett viktorianischer Zwänge gefangen und muss auch noch erkennen, dass die steife Gartenparty, auf der sie sich gerade langweilt, ihre Verlobungsfeier mit einem grässlichen Adelssohn sein soll. Doch plötzlich erscheint ein weißer Hase, der die neugierige Alice zum zweiten Mal ins Wunderland lockt, wo sie mit Hilfe des irren Hutmachers die Regentschaft der grausamen Herzkönigin beenden und erneut gegen den Jabberwocky antreten muss.
Herrlich skurrile Charaktere, die von großartigen Schauspielern wie Johnny Depp, Helena Bonham Carter oder Anne Hathaway liebevoll kauzig zum Leben erweckt werden, ein genial ausgearbeitetes Wunderland mit atemberaubender Detailfülle und eine ausdrucksstarke Neuinterpretation der angestaubten Vorlage machen Burtons Werk zu einem fantastischen (Erwachsenen-?)Abenteuer, das genau die richtige Gewichtung aus Nostalgie, Fantasie und Verrücktheit trifft. Ob das überbordende Kinoerlebnis auch im 2D-Wohnzimmer optisch begeistert, können wir jedoch nicht wirklich beurteilen, da der bereitgestellte Screener über die gesamte Laufzeit den zentralen Bildbereich mit der Information verdeckte, dass man diese DVD nicht kopieren dürfe und wessen Rechte man verletzte, wenn man es trotzdem täte. Schade – auch hier wäre die Höchstnote sicher nicht abwegig gewesen.
Ergo: Burtons liebevoll ausgearbeitetes Wunderland katapultiert die angestaubte Vorlage spektakulär ins dritte Jahrtausend
(erschienen in BIG PICTURE 07-08/2010)
Alice im Wunderland
OT: Alice in Wonderland, USA 2010
R: Tim Burton
D: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Anne Hathaway, Helena Bonham Carter
FSK: 12 Jahre
L: ca. 104 Minuten
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: DD 5.1 (Deu, Eng, Fra, Tür)
UT: Deu, Eng u. a.
Extras: Featurettes
A: Disney
Bereits erhältlich Zum Beispiel hier
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HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.
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