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Musik-Story: Plan B – Got Soul? Fuck, yeah!

Bloged in Stories von admin Mittwoch Juli 28, 2010
Plan B

PLAN B

50.000. So groß beziffert Ben Drew, besser bekannt als Plan B, seine Anhängerschaft, die er mit seinem 2006er Debüt „Who Needs Actions When You Got Words“ generiert hat.

Diese 50.000 Homies haben nun ein Problem: Statt weiterhin den angepissten Londoner Vorstadt-Rapper zu geben, schüttelt Drew eine wunderbare Motown-Soul-Platte aus dem Ärmel. Wird Plan B jetzt vom dicke-Eier-Macho zum Schmuse-Sänger? Eher nicht. „Jede verdammte Platte, die ich mache, ist kompromisslos: die Soul-Platte genau so wie das Hip-Hop-Album. Das Ding ist, dass man beim Hip-Hop die Texte mit Kraftausdrücken füllen muss – auf ‚stuck’ reimt sich eben ‚fuck’. Mit Soul harmonieren solche Worte hingegen nicht“, erklärt Drew und trällert plötzlich eine süße Melodie in den blauen Sommerhimmel: „Oh girl, I wanna fuck you baby, yeah – das funktioniert nicht. I wanna take my dick and stick it in your mouth, baby – funktioniert auch nicht.“ Stimmt, klingt irgendwie komisch. Umso erstaunlicher, dass der selbsternannte „Macker“ nun mit „The Defamation Of Strickland Banks“ ein Soul-Album vorlegt, das weder peinlich noch gekünstelt noch schleimig daherkommt, sondern das goldene Kehlchen des 26-Jährigen mit seinen hervorragenden Storyteller-Fähigkeiten zu einem schlüssigen Konzeptalbum vereint: Es geht um den Soul-Sänger Strickland Banks, der auf dem Höhepunkt des Ruhms von einem seiner Betthäschen der Vergewaltigung bezichtigt wird und im Knast landet – und dort hören leider nur die Wenigsten Soul-Musik.
Doch wie kommt man auf die bizarre Idee, vom Rappen zum Soulen überzugehen? „Schon damals, als ich mit Musik anfing, kam wie von selbst der Soul aus mir raus“, erinnert sich Drew. Da er jedoch in der falschen Tonart sang, verwarf er die Pläne einer Gesangskarriere und holte den Plan B aus der Tasche: wütend werden und fluchen. Bis er den Tipp bekam, einfach mal eine Tonart niedriger anzustimmen – und siehe da: Der Mann kann doch singen, und wie! „Natürlich habe ich überlegt, ob das Selbstmord ist, als Rapper eine Soul-Platte zu machen. Aber dann dachte ich mir: Scheiß drauf! Plan B ist nicht nur ein Rapper, das definiert mich nicht! Ich mache das für mich und bin nicht der Zirkusaffe irgendwelcher Hip-Hop-Puristen!“ Und wenn die Sache schief läuft? Dann muss Plan B einen Plan C aus der Tasche ziehen, denn dann hat er nicht nur einen Soul-Flop hingelegt, sondern auch noch die Die-Hard-Gemeinde verprellt. „Ich kann nur machen, was mich glücklich macht. Und wenn das nicht funktioniert, dann hab’ ich eben Pech gehabt“. Wie gut, dass das nicht passieren wird. Und wie gut, dass Plan B auch seine Käppi-Anhänger bald wieder glücklich macht: Im Herbst folgt mit „The Ballad of Belmarsh“ die Hip-Hop-Kehrseite zum souligen „Strickland Banks“, in der die Geschichte einiger Knast-Insassen rekapituliert wird. Es sollte schon mit dem Teufel zugehen, wenn Plan B seiner eingangs erwähnten Fanbase nicht schon bald zwei Nullen hinzufügt.

(erschienen in unclesally*s 07/2010)


Plan B

Plan B
“The Diffamation Of Strickland Banks”
Warner
Bereits erhältlich
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