PARKWAY DRIVE
Seit einigen Jahren schon produziert Killswitch-Gitarrero Adam Dutkiewicz (gefühlte) 50 Prozent aller „Metalcore”-Platten dieser Welt. Am dritten Parkway Drive-Album „Deep Blue“ war er ausnahmsweise mal nicht beteiligt – und das ist auch gut so
As I Lay Dying, Underoath, All That Remains – ihnen allen hat Dutkiewicz den mehr oder weniger gleichen Sound verpasst. Auch den ersten beiden Alben des australischen Abrisskommandos Parkway Drive drückte er seinen Stempel auf, stand nun beim Drittling „Deep Blue“ jedoch aufgrund terminlicher Probleme nicht zur Verfügung. Es ist also wohl kein Zufall, dass sich dieser Giftbrocken von einem Album soundtechnisch ausgesprochen erfreulich vom Genre-Gros absetzt. Nichts für ungut, Adam! „Als klar war, dass wir nicht mit Adam zusammenarbeiten, sahen wir das als Möglichkeit, etwas für uns völlig Neues zu kreieren“, erklärt Frontmann Winston McCall den Ansatz des neuen Teufelswerks. „Das meiste, was heute im Metalcore- oder Post-Hardcore-Bereich passiert, hört sich doch klinisch an – da kannst du auch gleich Computer die Musik spielen lassen. Wir wollten wieder einen rauen Sound haben, bei dem die Unvollkommenheit der Musik das menschliche Element, die Emotion zurückbringt.“
Das Ergebnis ist ein ultrafinsteres Bollwerk aus Aggression und Leidenschaft, das noch härter und melodischer klingt als seine Vorgänger. Nachdem Parkway Drive 2007 auf „Horizons“ noch das Erfolgsrezept des Debüts „Killing With A Smile“ erfolgreich kopiert haben, besitzen sie inzwischen Selbstvertrauen und Klasse genug, ihre bewährten Trademarks auf „Deep Blue“ gezielt um ein paar gelungene Experimente zu erweitern: Da wartet ein Song wie „Home Is For The Heartless“ mit einem erstklassigen Pop-Punk-Refrain auf (beigesteuert von Epitaph-Boss und Bad-Religion-Gitarrist Brett Gurewitz) und schickt einen das finale „Set To Destroy“ mit einer Haarwurzelrodung ins Nirwana, wie sie sonst wohl nur Slayer anrichten können. „Diesmal haben wir uns den brutalsten, giftigsten Track bis zum Schluss aufgehoben, denn so endet auch die Geschichte des ganzen Albums: mit Frustration, Verbitterung und Wut.“ Wer ähnliche Gedankengänge hegt, der kann sich diese nun hervorragend mit „Deep Blue“ austreiben – und wer neben dem physischen Exorzismus auch noch in die bewegte Gedankenwelt von Winston eintauchen will, der bekommt ein von vorne bis hinten durchdachtes Konzeptalbum über einen Mann geboten, der auf der Suche nach der Wahrheit eine Reise bis zum Grund des Ozeans antritt. „In dieser Geschichte vereinen sich zwei wichtige Dinge aus meinem Leben: Zum einen meine generelle Abneigung gegenüber der westlichen Kultur und der Gesellschaft, in der wir leben. Zum anderen der Ort auf dieser Welt, an dem ich Ruhe und Wahrheit finde, dem Ozean.“ Westliche Kultur und Ozean – eine Kombination, die derzeit unter keinem guten Stern steht und McCall eine pochende Ader auf die Stirn zaubert, da er die Krise im Golf von Mexiko als Tragödie versteht, die einmal mehr die Dummheit und Gier des Menschen zeigt. „Und was war die erste Reaktion von BP auf diese Krise? Sie haben ein Mittel ins Wasser gekippt, das das Öl binden sollte, als ‚Nebenwirkung’ aber auch 85 Prozent des ozeanischen Lebens abtötet. Es ist doch schlichtweg unmöglich, positive Dinge über eine Spezies zu schreiben, die ihren Planeten mit derartiger Respektlosigkeit behandelt, oder?“ Keine Einwände.
(erschienen in unclesally*s 07/2010)
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