MÄNNERHERZEN
Sechs Mannsbilder schütten einander ihre mehr oder weniger stählernen Herzen aus. Heraus kommt eine der besten deutschen Komödien der letzten Jahre, die man auf keinen Fall mit Barths Rohrkrepierer „Männersache“ verwechseln sollte!
Das Großartige am Medium Film ist doch, dass man sich immer wieder überraschen lassen kann! Nach Katastrophen wie Mario Barths „Männersache“, mäßig witzigen Streifen à la „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ und Totalausfällen wie „Jerry Cotton“ hat man ja so langsam den Glauben an die deutsche Kinokomödie per se verloren. Selbst die sichere Bank Christian Ulmen hat das eigene Denkmal durch die unsäglich schlechte „Cotton“-Verfilmung nachhaltig beschädigt. Umso erfreulicher, dass sich jedwede Vorbehalte gegenüber Simon Verhoevens „Männerherzen“ als absolut unbegründet erweisen.
Auch wenn frau es schwer glauben mag: Ein Mann hat viele Gesichter. Verhoeven besitzt, um genau zu sein, derer sechs, die er für „Männerherzen“ voneinander getrennt und zu eigenständigen Alter Egos entwickelt hat. Zum einen ist da der machohafte Musikproduzent Jerome (Til Schweiger, logo), der in seinem Penthouse rauschende Partys feiert, Betthäschen wie Unterwäsche wechselt und aus Profitgier widerwillig den schrägen Schlagerstar Bruce (Justus von Dohnányi) produziert. Geromes Nachbar Niklas (Florian David Fitz) hingegen lebt ein bürgerliches Leben mit seiner Jugendliebe Laura, das bald mit einer Hochzeit gekrönt werden soll. Von Lauras heimischer Schlabberhose abgetörnt, schiebt er jedoch plötzlich Panik und lässt sich mit einer knackigen Fitnesstrainerin ein. Niklas Kumpel Philip (Maxim Mehmet) hält indes nicht viel von Lebensplanung – mit Ende 20 hat er noch keinen Platz im Leben gefunden und jobbt als wandelnder Pizzeria-Werbepfeil. Als ihm seine Liebelei Nina (Jana Pallaske) eröffnet, dass sie von ihm schwanger ist, bricht auch er in Panik aus. Ebenfalls mit von der Partie: Der tölpelhafte Beamte Günther (Ulmen), der sich von Gerome in der Muckiebude Anbagger-Tipps holt und diese bei Kassiererin Susanne (Nadja Uhl) unbeholfen ausprobiert. Wider Erwarten interessiert sich die zweifache Mutter für ihn, doch ihr traumatisierter Ex-Mann Roland (Wotan Wilke Möhring) ist den beiden auf den Fersen.
Nun hätte Verhoeven aus diesem Klischeefigurenkabinett ein plattes deutsches Komödchen machen können und niemanden hätte es gewundert. Doch erfreulicherweise stand ihm danach nicht der Sinn. Stattdessen erzählt er eine herrlich lustige Geschichte über sechs denkbar verschiedene „Männerherzen“, die letztlich doch alle nur das Gleiche wollen: geliebt werden. Zugleich ist seine mit melancholischen Zwischentönen perfekt gewürzte Geschlechterkomödie auch eine charmante Ode an das wuselige Berlin, dessen multikultureller Charakter sich in den unterschiedlichen Männerfiguren spiegelt. Das hat er schön gemacht, der Verhoeven!
Ergo: Sechs Herren auf der Suche nach dem Glück: Verhoeven zaubert eine luftig-melancholische Komödie aus dem Hut
(erschienen in BIG PICTURE Magazin 04/2010)
Männerherzen
OT: Männerherzen, D 2009
Regie: Simon Verhoeven
D: Til Schweiger, Christian Ulmen, Jana Pallaske, Nadja Uhl, Justus von Dohnanyi
FSK: 6 jahre
L: ca. 102 Minuten
Bild: 16:9 (2,35:1)
Ton: DD 5.1 (Deu)
UT: Deu
Extras: Making-of, Audiokommentar, entfallene Szenen, Outtakes u. a.
A: Warner
Bereits erhältlich Zum Beispiel hier
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