home | interviews | movies | stories | pictures | contact
Too Cool for Internet Explorer

Hej Sie, hallo!

Durch eine glückliche Schicksalsbrandung sind Sie, lieber Surfer, auf benrocks.de gelandet bzw. -strandet! Schön! Mit folgenden Themen können Sie hier Ihr Leben entschleunigen:

* Musik * Film * Interviews * Live-Fotografie * Ben *

Frohes Stöbern wünscht: Ben

Filmkritik: Die Päpstin

Bloged in Movies von admin Dienstag Juli 6, 2010
Die Päpstin

DIE PÄPSTIN

Johanna Wokalek infiltriert im 9. Jahrhundert den Klerus und arbeitet sich in Männerkleidern bis zum heiligen Vater hoch. Barbara Streisand und „Yentl“ lassen schön grüßen!

Regisseur Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) wagt sich in eine Zeit zurück, in der man andere Probleme hatte als den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft (undenkbar, so etwas!): ins finstere Mittelalter, als mordende Barbaren Schrecken verbreiteten, Missionare die heilige Schrift mit dem Schwert predigten und Frauen nur eine Daseinsberechtigung hatten – Kinder kriegen. Die kleine Johanna ist Tochter eines brutalen Dorfpriesters, der nur ihre zwei Brüder Lesen und Schreiben lehrt, weil es, wie jeder weiß, wider die Natur ist, wenn Mädchen nach Bildung streben. Doch Johanna überredet ihren Bruder Matthias, heimlich sein Wissen an sie weiterzugeben. Nach dem plötzlichen Tod von Matthias kann Johanna mit ihrem klaren Verstand den Lehrer Aesculapius beeindrucken, der sie unterrichtet und an die Domschule in Dorstadt empfiehlt. Dort wird sie zwar als erstes Mädchen überhaupt aufgenommen, muss der bitteren Realität jedoch erneut ins Auge sehen: Sie kann noch so klug und wissensdurstig sein – in einer patriarchalen Gesellschaft hat sie als Frau keine Chance. Als Dorstadt ein paar Jahre später von Barbaren überfallen wird, flieht Johanna (Johanna Wokalek) ins Kloster von Fulda, wo sie, als Mann verkleidet, ihre Bestimmung als Dienerin Gottes findet. Doch das ist noch nicht das Ende ihrer Odyssee, schließlich muss sie noch nach Rom und dort dem Titel dieser Verfilmung des Historien-Schmökers von Donna Woolfolk Cross gerecht werden.
Wortmann übernahm einen dankbaren Job, als er Volker Schlöndorff ersetzte (dieser hatte kritisiert, dass „Die Päpstin“ erst im Kino und dann als TV-Zweiteiler laufen sollte, und wurde „entfernt“): Der Roman war ein internationaler Bestseller, dessen Kino-Adaption ebenfalls Reibach versprach. Zweieinhalb Millionen Deutsche strömten artig in die Kinos und sahen, wie das 500-Seiten-Werk zu einer hanebüchenen Emanzipationsodyssee zerrupft wurde, in der Wokalek zwar groß aufspielt, den Spagat zwischen humanistisch motivierter Patriarchatinfiltration und Fleischeslust für ihren gräflichen Lover (David „Faramir“ Wenham) aber nicht glaubwürdig bewältigt. In den päpstlichen Gewändern wirkt sie am Ende sogar nahezu albern.
Produktionstechnisch kann sich der 20-Millionen-Streifen natürlich sehen lassen: Die Bilder des mittelalterlichen Deutschlands wirken authentisch und überzeugen mit guter Ausstattung – was man vom alten Rom indes nicht behaupten kann: Ein paar weihrauchbekiffte Statisten, die das Populus Romanus repräsentieren, ermitteln den neuen Papst per Applausometer, John Goodman soll als Papst Sergius II. durchgehen und Computertotalen versuchen krampfhaft, wie Atmosphäre zu vermitteln. Auch die Wahl eines Erzählers trägt nicht dazu bei, dass Johannas Figur Tiefe erhält: Wo Bilder sprechen sollten, erklärt eine Off-Stimme, was gerade Sache ist – das ist zu einfach! Was bleibt also von der Verfilmung eines Erfolgsromans, der die Legende (denn mehr ist es nicht) von der Päpstin massentauglich aufbereitete? Leseratten sehen, dass auch hier der Roman die bessere Wahl ist. Freunde des Bewegtbild-Historiendramas haben sicher ihren Spaß an der – trotz aller Kritik – zu keiner Zeit langweiligen Inszenierung. Und Blasphemiker können juxen, dass sich in der katholischen Kirche seit 1200 Jahren eigentlich nichts verändert hat.

Ergo: Mäßige Romanverfilmung einer unbelegten Legende, die man nicht zwingend gesehen haben muss. Immerhin werden Genre-Fans gekonnt bedient.

(erschienen in BIG PICTURE Magazin 04/2010)


BEWERTUNG

Die Päpstin
OT: Die Päpstin, D/SPA/ITA/GB 2009 Regie: Sönke Wortmann D: Johanna Wokalek, David Wenham FSK: 12 jahre L: ca. 142 Minuten Bild: 16:9 (2,35:1) Ton: DD 5.1 (Deu, Eng) UT: Deu f. Hörg.Extras: Making-of, Audiokommentar u. a. A: Highlight (Constantin) Bereits erhältlich Zum Beispiel hier



LEGENDE / LEGEND / LÉGENDE / LEYENDA / LEGGENDA / 图例 [圖例]

MINISTAR ROT

HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

MINISTAR GOLD

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

MINISTAR SILBER

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

MINISTAR BRONZE

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.

Und hier noch was zu gucken:

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.

Powered by Wordpress, theme by Dimension 2k