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Filmkritik: Wüstenblume

Bloged in Movies von admin Montag Mai 31, 2010
Wüstenblume

WÜSTENBLUME

Ein Nomadenkind aus Somalia schafft es bis zum Topmodel und macht die Welt auf die grausame Praktik der Genitalverstümmelung aufmerksam

Die erschütternde Autobiografie des Top-Models Waris Dirie schaffte 1998 weltweite Aufmerksamkeit für ein grausames Ritual, das in vielen Kulturen praktiziert wird: die Genitalverstümmelung, die an Mädchen im Kindesalter durchgeführt wird und deren Jungfräulichkeit bis zur Ehe garantieren soll. Bis dato weitgehend unbeachtet, lösten Diries Buch und ein Interview über ihre eigene Verstümmelung eine Debatte über die bestialische Praktik aus, was dazu führte, dass diese in vielen Staaten verboten wurde. Dennoch ist sie leider immer noch vielerorts an der Tagesordnung.
Die mit dem äthiopischen Model Liya Kebede hervorragend besetzte Buch-Verfilmung muss sich jedoch vorwerfen lassen, die gräuliche Thematik zu oft zugunsten einer luftigen „vom Wüstenkind zum Topmodel“-Dramödie auszublenden. Wir folgen der jungen Somalierin, wie sie, am Vorabend ihrer Zwangshochzeit mit einem faulzahnigen Nomaden-Opa, in die Stadt und von dort nach London flieht. Dort arbeitet sie als Putzfrau beim somalischen Botschafter, doch als dieser abgezogen wird, steht die inzwischen erwachsene Waris auf der Straße und hängt sich an die schrille Verkäuferin Marilyn (Sally Hawkins). Sie jobbt bei McDonald‘s, lernt Englisch, wird vom Starfotografen Terry Donaldson entdeckt und über Nacht zum Supermodel. Nur nebenbei erfahren wir von der grausamen Beschneidung, die sich für immer in die Psyche der jungen Frau eingebrannt hat und im Film erst viel zu spät zum Hauptthema wird. Die romantische Liebesgeschichte, die wohl zeigen soll, dass Waris trotz ihrer Beschneidung eine „richtige Frau“ ist, hätte man sich ebenfalls sparen können.
Erfreulich üppig gestalten sich indes die DVD-Extras, in denen ein gutes Making-of und einige Featurettes die Versäumnisse des Films ausbügeln.

Ergo: Schwerer Stoff, luftig auf die Leinwand gebannt: Das lässt sich zwar gut ansehen, hätte aber in einem reinen Drama mehr Impact gehabt

(erschienen in BIG PICTURE Magazin 03/2010)


BEWERTUNG

Wüstenblume
OT: Desert Flower, D/A/FRA 2009 Regie: Sherry Hormann D: Liya Kebede, Sally Hawkins, Timothy Spall FSK: 12 Jahre L: ca. 124 Minuten Bild: 16:9 (1,85:1) Ton: DD 5.1 (Deu, Eng) UT: Deu f. Hörg. Extras: Audiokommentar, Making-of, Featurettes, entfallene Szenen, Trailer, Teaser A: Majestic Bereits erhältlich Zum Beispiel hier



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