DAS WEISSE BAND
Durch die Geschehnisse im Mikrokosmos eines Dorfes am Vorabend des 1. Weltkriegs blickt Michael Haneke auf den Makrokosmos der (deutschen) Geschichte, war dafür zu Recht für den Oscar nominiert und avancierte mit Siegen in zehn Kategorien beim Deutschen Filmpreis zum erfolgreichsten Film in dessen Geschichte
Eine deutsche Kindergeschichte – so der bedeutungsschwangere Untertitel von Michael Hanekes Meisterwerk, das nicht nur wegen seiner Schwarz-Weiß-Ästhetik aus einer anderen Welt zu kommen scheint. Sein Originaldrehbuch erzählt von mysteriösen Vorfällen im norddeutschen Dörfchen Eichwald, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs: Alles beginnt mit dem Sturz des Dorfarztes, der samt Pferd durch ein dicht über der Erdoberfläche gespanntes Drahtseil zu Boden geht und schwer verletzt wird. Danach häufen sich die beunruhigenden Ereignisse: Erntehelfer verunglücken, der Filius des Barons wird entführt und gefoltert, ein Bauer erhängt sich in der Scheune. Hinter den verschlossenen Türen der Dörfler geht es freilich nicht zimperlicher zu: Da wird die Kinderzüchtigung zum Familienevent im Pastorenhaus, vollführt der Dorfarzt Doktorspielchen an seiner 14-jährigen Tochter und werden Frauen von widerlichen Patriarchen bestiegen. Fast zeitgleich mit der Kriegserklärung Deutschlands kommt der Dorflehrer dem schier unglaublichen Geheimnis der grausamen Geschehnisse schließlich auf die Schliche.
Fast schon ehrfürchtig steht man der kollektiven Lobpreisung von Hanekes Werk gegenüber und muss tatsächlich bedingungslos kapitulieren: „Das weiße Band“ kreiert mit seinen eisigen Bildern und der vermeintlich „kleinen“ Geschichte, die als Pars pro toto gedeutet werden kann, einen unglaublich intensiven Sog aus Spannung und Horror, der den Zuschauer zu einem möglichen Epizentrum der deutschen Tragödie führt.
Ergo: Ein Film wie ein Schlag in die Magenkuhle der Volksseele: Haneke beweist einmal mehr seine Virtuosität und dominierte damit den Deutschen Filmpreis 2010
(erschienen in BIG PICTURE Magazin 03/2010)
Das weiße Band
OT: Das weiße Band, D/A/FRA/ITA 2009
Regie: Michael Haneke
D: Christian Friedel, Ernst Jacobi, Leonie Benesch
FSK: 12 Jahre
L: ca. 138 Minuten
Bild: 16:9 (1,85:1)
Ton: DD 5.1 (Deu)
UT: Deu f. Hörg.
Extras: Making-of, Featurettes
A: Warner
Bereits erhältlich Zum Beispiel hier
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HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.
Und hier noch was zu gucken:
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