KICK-ASS
Keine Lust mehr, ein Loser zu sein! Dave Lizewski wird zu Kick-Ass und setzt sich für die Unterdrückten ein. Big Daddy und Hit-Girl helfen ihm. Wie man sie erreichen kann? „Kontaktier‘ den Bürgermeister, er hat ein spezielles Zeichen, das in den Himmel strahlt. Es hat die Form eines Riesenpimmels.“ Alles klar?
Am 22. April gibt es einen… Arschtritt! Matthew Vaughns („Der Sternenwanderer“) „Kick-Ass“ kommt in die Kinos und wird das Superhelden-Genre revolutionieren. Zu hoch gegriffen? Mitnichten! Nach Sichtung der schrillen Action-Comedy können wir mit Fug und Recht behaupten: Dieser Streifen kickt dermaßen ass, dass es einem tatsächlich die Sprache verschlägt! Das renommierte britische Empire-Magazin widmete Vaughns Film unlängst sogar eine zehnseitige Titelstory und rief darin die Geburt eines neuen Genres aus: des Punk-Rock-Superhelden-Films. Dabei hatte der Erfolgsregisseur anfänglich doch arge Probleme, irgendein Studio für sein Drehbuch, das auf der Vorlage von Comicautor Mark Millar („Wanted“) beruht, zu begeistern. Konsens: „Bist du des Wahnsinns?!“ Doch gerade die rigorose Ablehnung bekräftigte Vaughn, den Film erst recht zu machen: „Die Studios mögen es nicht? Dann muss es großartig sein!“ Er sollte Recht behalten – und ein Studio finden, das ihm 30 Millionen Dollar in die Hand gab, um der cineastischen Gemeinde den überfälligen audiovisuellen Arschtritt zu verpassen.
Worum geht es eigentlich? Um den dezent trotteligen Dave Lizewski (Aaron Johnson), der von herzlosen Straßengangstern regelmäßig um sein Taschengeld gebracht wird und sich das aus Furcht auch gefallen lässt. Irgendwann jedoch hat Dave die Schnauze voll von einer Welt, in der Zivilcourage gänzlich aus der Mode gekommen scheint.
Das will er nun ändern: Er bestellt sich einen grünen Neoprenanzug, schlendert in besagter Froschmontur mit zwei Schlagstöcken bewaffnet als selbsternannter Superheld Kick-Ass durch die Straßen und will helfen – und sei es auch nur ein Miezekätzchen wiederzufinden. So weit, so unspektakulär. Das eigentlich Kontroverse an „Kick-Ass“ ist jedoch dessen Kollegin Hit-Girl (Chloe Moretz): Die Elfjährige wurde von ihrem Papa Big Daddy (Nicholas Cage in seiner ersten guten Rolle seit, ui, seit „Leaving Las Vegas“ vielleicht?) zur Kampfmaschine ausgebildet, metzelt Uma-Thurman-like alle Gegner nieder, die sich ihr in den Weg stellen, und wirft dabei mit Wörtern um sich, die einer Lady nun wirklich nicht geziemen – hier darf man gespannt sein, wie die deutsche Synchronisation mit dem inflationären Gebrauch von „fuck“ oder dem Wort „cunt“ umgeht. Aus Rache für den Tod ihrer Frau/Mutter wollen Big Daddy und Hit-Girl den Gangsterboss Frank D‘Amico (Mark Strong) zur Strecke bringen („Kill Frank“ also), verwickeln dabei aber auch den ungelenken Kick-Ass, der mittlerweile zum Youtube-Hit geworden ist, in ihren Feldzug. Schmerzen vorprogrammiert.
Eine Elfjährige, die Bösewichte umnietet, von diesen ihrerseits brutalst verdroschen wird und Wörter wie „Pimmel“ in den Mund nimmt?! Manch eine(r) wird sich daran anstoßen und eine weitere Verrohung der Jugend befürchten – doch die wird den Streifen vermutlich
ohnehin nicht sehen dürfen. Wer jedoch endlich mal wieder ein frisches, freches Action-Spektakel mit bösem Witz, coolen Sprüchen und schriller Optik sehen will, das munter bei Tarantino, „Watchmen“ oder sogar „Taxi Driver“ zitiert, der muss hier eine Kinokarte lösen! Und gleich auch noch den Soundtrack kaufen, denn so genial wurde lange keine Gewaltorgie mehr musikalisch untermalt: Wenn Hit-Girl zu „Banana Splits“ von The Dickies oder zu Joan Jetts „Bad Reputation“ in „Matrix“-Manier zum Angriff bläst, dann ist das adrenalintriefendes Popcorn-Kino, das im Gegensatz zu „Spider Man 63“ oder megalomanen Michael-Bay-Produktionen lange in Erinnerung bleibt. „Kick-Ass“ ist einer jener Filme bei dem man sich nach dem Rausgehen aus dem Kinosaal am liebsten gleich wieder an der Kasse anstellen würde, um ihn ein zweites Mal zu sehen. Und auch um Hit-Girl Chloe Moretz muss man sich keine Sorgen machen: „Wenn ich auch nur die Hälfte der Dinge aus dem Film im realen Leben sagen würde, hätte ich ein Jahr Hausarrest.“ Sie sehen also: alles eine Frage der Erziehung!
Ergo: Ein kontroverses, fulminant inszeniertes Action-Feuerwerk mit genialem Soundtrack, das zwar plakativ polarisiert, letztlich aber einfach nur ein Heidenspaß ist. Kicks Ass!!!
(erschienen in BIG PICTURE Magazin 04/2010)
Kick-Ass
OT: OT: Kick-Ass, USA 2010
Regie: Matthew Vaughn
D: Aaron Johnson, Chloe Moretz, Nicholas Cage
FSK: 16 Jahre
L: ca. 117 Minuten
Drehburch: Matthew Vaughn, Jane Goldman
Produktion: Matthew Vaughn, Brad Pitt
A: Universal
Seit 22. April im Kino
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HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.
Und hier noch was zu gucken:
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