KARNIVOOL
Was hat ein Doppel-O im Bandnamen, fährt majestätische Prog-Geschütze und hypnotische Killer-Riffs auf und braucht für ein neues Album über vier Jahre?
Reingelegt! Nicht die Rock-Götter Tool sind hier gemeint sondern die Australier Karnivool. Der Vergleich mit den Genre-Ikonen ist natürlich beabsichtigt: Auf ihrem Zweitwerk „Sound Awake“ beweisen die Jungs aus Down Under, dass sie den übermächtigen Ami-Kollegen durchaus das Wasser reichen können – und das ist kein Sakrileg sondern akustische Tatsache. „Natürlich ist Tool eine fantastische Band, deren großartiger Sound uns stark inspiriert hat“, macht Gitarrist Mark Hosking trotzdem keinen Hehl aus der künstlerischen Nähe. Warum auch – schmeichelhaftere Vergleiche gibt es schließlich kaum. Zumal Karnivool keine lasche Kopie sind, sondern auf ihrem über 70-minütigen Meisterwerk eine Filigranität und Mannigfaltigkeit an den Tag legen, die ihresgleichen sucht. „Das liegt an unserem vielseitigen Musikgeschmack, aber auch an der Umgebung, in der wir leben“, erklärt Hosking. „Wir kommen aus Perth, der isoliertesten Metropole der südlichen Hemisphäre, die von Wüste eingeschlossen ist. Fährst du aber ein paar Kilometer nach Süden, stehst du plötzlich in einem wunderschönen Wald, und im Norden ist das Meer. Diese landschaftliche Vielseitigkeit schlägt sich auch in der Musik nieder.“ Dadurch erschaffen Karnivool eine Klanglandschaft, die mit jedem Hören faszinierender wird, und beweisen, dass grandiose Aussie-Rockmusik auch mit weit mehr als zwei unterschiedlichen Riffs funktioniert.
(erschienen in Piranha 03/2010)
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