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Konzertbericht: Backyard Babies in der Markthalle zu Hamburg

Bloged in Pictures von admin Freitag März 12, 2010
Backyard Babies

BACKYARD BABIES

„Aufhören? No way! Wir machen nur ein oder zwei Jahre Pause, um mal wieder unser Hirn durchzupusten“, dementiert Backyard Babies-Gitarrist Dregen vor dem Gig auf Anfrage jedwede Auflösungsgerüchte. Erleichterung. Dann kann man die Rotzfahnen ja stecken lassen und das Europatour-Finale der „Them XX Tour“ im unwirtlichen hanseatischen Winter ohne Wehmut genießen.
Bevor der schwedische Haud(r)egen mit seinen Buddies die gut gefüllte Markthalle in einen Hexenkessel aus Schweiß und Ekstase verwandelt, stehen erst einmal Tracy Gang Pussy im Rampenlicht. Wenn man die Augen schließt und nur die Musik wirken lässt, gehen die Franzosen mit ihrem Sleaze Rock völlig in Ordnung – öffnet man sie jedoch, sieht man plötzlich eine Emo-Boyband, die sich an großen Rock-Posen versucht und dabei sonderbar unnatürlich wirkt. Ein krasser Gegensatz zu den Testosteron-Ikonen Backyard Babies jedenfalls, aber immerhin musikalisch artverwandt. Da sich beim finalen „I Want“ sogar ein drei-Mann-Circle-Pit generieren lässt, kann die Pussy-Gang nach einer halben Stunde verdient den Feierabend einläuten.
Dann endlich ersäuft die Bühne in blutrotem Licht und die Sirenen rotieren – wie immer. Vielleicht denken die Backyard Babies in ihrer Auszeit ja mal über ein neues Stage-Design nach. Doch das ist Makulatur – was wirklich zählt, sind Posen und Pathos, und da gehören sie zu den ganz Großen ihrer Zunft. Während sich die Menge auf Siedetemperatur rockt, geschieht auf der Bühne genau das, was man hier sehen will: Dregen macht die Rampensau und präsentiert seinen Phallus (hier: die Gitarre) in allen erdenklichen Stellungen. Sänger Nicke indes hält sich wie immer zurück und sorgt ab und an dafür, dass auch die anderen – der stoisch coole Basser Johan und Pipi Langstrumpfs Bruder Peder an den Drums – etwas Aufmerksamkeit bekommen. Vorbildlich, aber deswegen trägt er ja auch den Sheriff-Stern.
Songtechnisch bieten die vier zwischen dem Opener „Backstabber“ und dem finalen „Robber Of Life“ einen bunten Querschnitt durch zwei Dekaden, dessen Glanzpunkte Hits wie „Abandon“, „Degenerated“ oder „Nomadic“ sind. Und auch sonst wissen die tätowierten Teufelskerle, wie sie Hamburg anpacken müssen: „Gestern waren wir in München – was für verdammte Pussies! Hier sind die richtigen Piraten!“ – die Menge grölt. Ob man in München wohl die „Fischköppe“ verhöhnt hat? Geschenkt, Rock’n Roll ohne schwulstige Prollsprüche macht doch nur halb so viel Laune. Und nachdem der letzte Akkord in der schweißschwangeren Halle verklungen ist, torkelt man bier- und/oder euphorietrunken nach Hause und freut sich irgendwie schon wieder aufs nächste Mal. Und wehe, es gibt keins!


Backyard Babies, 14.2.2010, Hamburg, Markthalle

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