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Cathedral: Audienz im Doom-Dom

Bloged in Stories von admin Montag März 22, 2010
Cathedral

CATHEDRAL

Und das Unheil zieht wieder auf am Metal-Firmament: Die britischen Doom-Könige Cathedral melden sich nach vier Jahren Abstinenz zurück auf der Bildfläche und öffnen die Pforten ihrer prächtigen Kathedrale für ein mannigfaltiges Opus des Wahnsinns

Happy belated birthday: Die britischen Doom-Ikonen Cathedral feierten jüngst 20-jähriges Bandjubiläum und läuten nun mit ihrem neunten Werk namens „The Guessing Game“ fulminant die dritte Dekade ein. Vier Jahre nach dem Vorgänger „The Garden Of Unearthly Delights“ sind die Erwartungen an das neue Machwerk natürlich groß – und werden nicht im Geringsten enttäuscht: Cathedral, diese Pink Floyd des Dooms, fackeln hier mal wieder ein buntes Potpourri aus getragenen Untergangs-Walzen, verspielten Prog-Rock-Einlagen und knarzenden Heavy-Metal-Riffs ab und zeigen sich damit 2010 auf der Höhe ihres künstlerischen Könnens. Frontmann Lee Dorrian erinnert sich an die Anfänge des Songwritings zu „The Guessing Game“: „Zuerst haben wir einen Batzen langsamen Doom-Materials aufgenommen, mit dem man problemlos ein ganzes Album hätte füllen können. Von den Stücken hat es aber nur ‚I Am An Animal’ auf das Album geschafft, der übrigens vermutlich der erste Animal-Rights-Doom-Song der Geschichte ist. Je mehr Zeit aber ins Land zog, desto interessanter und experimenteller wurde das Material, das wir schrieben – und darum geht es doch auch: Den Leuten jedes Mal etwas Neues zu geben, ohne sich zu sehr vom wesentlichen Stil der Band zu entfernen.“ Ob „I Am An Animal“ nun tatsächlich der erste Tierschutz-Doomer der Geschichte ist, lässt sich zwar schwer überprüfen, doch außergewöhnlich ist so eine Nummer im Metal-Bereich allemal: Der Song ist Dorrians guter Freundin Jill Phipps gewidmet, die 1995 als protestierende Tierrechtsaktivistin von einem Laster überrollt wurde, der lebendige Kälber aus England nach Kontinentaleuropa verfrachten sollte.
Insgesamt folgt Cathedrals „Ratespiel“ allerdings keinem speziellen inhaltlichen Konzept, sondern spricht verschiedene Themen an, die sich „auf ein generelles Gefühl der Frustration, der Unsicherheit und des Infragestellens der Existenz“ beziehen, wie Dorrian erklärt. „Ich war schon immer fasziniert davon, wie einige Leute durchs Leben gehen können, ohne auch nur irgendetwas von dem in Frage zu stellen, was ihnen erzählt wird. Das ist fast so, als würden sie gar nicht richtig existieren oder keinen eigenen Verstand haben. Diese prinzipielle Akzeptanz macht die Welt zu einem beschisseneren Ort für all jene, die tatsächlich versuchen, etwas an der Ausbeutung in dieser sogenannten Gesellschaft zu ändern.“ Da klingt aber einer angefressen – völlig zu Recht, wenn man mal ehrlich ist. Umso besser, dass die Briten auch weiterhin die Flagge über ihrem Doom-Dom hissen und den Finger schön in die Wunde menschlichen Makels drücken. Mit dem tonnenschweren, zugleich aber unglaublich verspielten „The Guessing Game“, dessen schrilles Cover natürlich wie immer der Künstler Dave Patchett beisteuerte, donnern die Kathedralmeister dem anspruchsvollen Metal-Head nun ein erstes Highlight des Jahres in die Weichteile. „Doom on!“

(erschienen in Piranha 03/2010)


Cathedral

Cathedral
“The Guessing Game”
Nuclear Blast
Ab 26. März 2010
Guckst du hier


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