TEGAN & SARA
2004 waren die kanadischen Zwillingsschwestern Tegan & Sara auf ihrem vierten Album „So Jealous“. Der Nachfolger „The Con“ kündete dann 2007 von Schwindel und Betrug – und was steht 2010 im Ablassbrief? Zorn, Geiz, Völlerei? Weit gefehlt: In ihrer zweiten Band-Dekade legen die Ahorn-Girls ein ungewohntes Mode-Accessoire an: den Heiligenschein. Ist „Sainthood“ jetzt mehr heilig oder mehr Schein? „Wir wurden nicht religiös erzogen, daher ist das eher romantisch denn religiös gemeint“, so Tegan. „Ich sehe starke Parallelen zwischen jemandem, der glaubt, und jemandem, der verliebt ist: Beide sind dem Objekt ihrer Verehrung nahezu wahnhaft ergeben. Gerade am Anfang einer Beziehung versucht doch jeder, sich im besten Licht zu präsentieren – als wäre man ein Heiliger.“ War „The Con“ noch Tegan & Saras dunkelstes Werk, gibt sich „Sainthood“ nun lyrisch luftiger. „Wir sind besser darin geworden, uns universaler auszudrücken. Das ist es ja auch, was große Pop-Musiker und Künstler auszeichnet: Sie treten in ihren eigenen Texten in den Hintergrund. Diesem Ideal wollen wir noch näher kommen.“ Analog zum lyrischen haben die Twins aber auch einen stilistischen Wandel vollzogen: Der gitarrenlastige Indie-Rock hat sich zur kantigen Popmusik gewandelt, die mit Keyboards und Electro-Firlefanz gespickt ist. Tegan erklärt: “Momentan probieren wir einfach alles aus. Solange ich morgens aufstehe und das Gefühl habe, dass wir etwas Interessantes kreieren, ist musikalische Klassifizierung irrelevant für mich.” Für uns auch – besonders dann, wenn dabei ein Klasse-Album wie “Sainthood” entsteht.
(erschienen in Piranha 01-02/2010)
Tegan & Sara
“Sainthood”
Warner
Erhältlich ab 29.01.2010
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