BRÜNO
Kult-Comedian Sacha Baron Cohen überschreitet einmal mehr die Grenzen des guten Geschmacks und brüskiert in seinem neuen Mockumentary als schwuler Moderator Brüno die verklemmten (amerikanischen?) Gemüter
Vorweg sei gesagt: Wenn Sie Sacha Baron Cohens TV-Comedy „Da Ali G Show“, seine Filme „Ali G In Da House“ und „Borat“ oder seinen Humor generell nicht mögen oder verstehen, werden Sie mit „Brüno“ erst recht nichts anfangen können. Cohen mimt den schwulen österreichischen Moderator Brüno (den ein deutsches Wochenmagazin in seinem Internetauftritt zum schwulen Friseur machte und damit eindrucksvoll bewies, dass Parodien auf die gesellschaftliche Voreingenommenheit gegenüber Homosexualität absolut zeitgemäß sind), der nach der Absetzung seiner Mode-Sendung nach L.A. übersiedelt, um dort „der größte schwule Filmstar seit Arnold Schwarzenegger“ zu werden. Cohen greift dabei auf das „Borat“-Prinzip zurück und geht, als Brüno verkleidet, auf (vermeintlich) Ahnungslose zu, um ihnen unbedachte (im Idealfall homophobe) Aussagen zu entlocken. Was nicht einfach ist, denn Cohen ist längst kein Unbekannter mehr.
Auch wenn „Brüno“ arrangierter anmutet als „Borat“ und Cohen oft die Grenzen des Erträglichen überschreiten muss, um das zu bekommen, was er hören will, hat er erneut eine großartige Realsatire geschaffen, deren groteske Gags Connaisseuren perfiden Humors die Lachtränen in die Augen treiben. Brüno sorgt für einen Eklat bei der Mailänder Modemesse, tauscht in Afrika seinen iPod gegen ein Adoptivkind, mischt einen Swingerclub auf, besucht einen Konversionstherapeuten, um seine Homosexualität zu exorzieren, und – vielleicht die beste Szene des Films – nimmt bei einem Spiritualisten Kontakt mit Milli-Vanilli-„Sänger“ Rob Pilatus auf, um diesem daraufhin einen virtuellen Blowjob zu geben. Das alles klingt geschmacklos und ist es auch, doch genau wegen dieser kalkulierten Tabubrüche müsste man Cohen einen Orden verleihen – ob man darüber lachen kann oder nicht.
Etwa 135 Millionen Dollars spielte „Brüno“ weltweit ein und damit nur die Hälfte von „Borat“ – vielleicht hat es der britische Komiker etwas übertrieben mit der schrillen Marketing-Offensive, im Zuge derer er sich in Berlin im rosafarbenen Ganzkörperplüschanzug mit Penis-Attrappe präsentierte. Oder aber das Publikum ist der Ansicht, dass man über Homophobie weniger lachen kann als über Xenophobie.
Die Extras sind mit jeder Menge alternativer, erweiterter und entfernter Szenen und einem Kurzinterview mit Talent-Agent Lloyd Robinson recht unspektakulär. Dafür klärt Cohens lustiger Audiokommentar im Stile eines Audio-Making-ofs über viele Szenen und Drehhintergründe auf.
Ergo: Nicht so stark wie „Borat“, für Fans tabulosen Humors aber eine Mockumentary mit Lachanfall-Garantie (unbedingt OV gucken!), in dem Cohen homophobe Vorurteile entlarvt. Und wenn selbst Elton John am Ende von Anal Bleaching schwärmt, dann ist doch alles gut.
Brüno
OT: Brüno, USA 2009
R: Larry Charles
D: Sacha Baron Cohen, Gustaf Hammarsten, Clifford Bañagale
FSK: 16 Jahre
L: ca. 78 Minuten
Bild: 16:9 (1,85:1)
Ton: DD 5.1 (Deu, Eng)
UT: Deu, Eng, Nied
Extras: Audiokommentar, Entfallene und alternative Szenen, Interview
A: Universal
Bereits erhältlich Zum Beispiel hier
LEGENDE / LEGEND / LÉGENDE / LEYENDA / LEGGENDA / 图例 [圖例]

HEISSES EISEN – Zu gut um wahr zu sein!

GOLDKIND – Bitte verhätscheln!

SILBERBLICK – Sichtung schmerzfrei.

BRONZEZEIT – Kalt geschmiedet.
Und hier noch was zu gucken:
Keine Kommentare
Noch keine Kommentare.
Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.