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Bloged in Movies von admin Mittwoch November 25, 2009
STATE OF PLAY
Politiker Ben Affleck gerät in ein Komplott, das Reporter Russell Crowe auf den Plan ruft. Regisseur Kevin Macdonald machte aus der Serienvorlage einen brillanten Enthüllungsthriller
Eigentlich sollten Brad Pitt und Edward Norton die Hauptrollen übernehmen in Kevin Macdonalds Neuverfilmung der gefeierten Mini-Serie „State of Play“, die 2003 auf BBC One lief. Doch als im Laufe der Vorbereitungen Änderungen am Drehbuch vorgenommen wurden, die Pitt nicht billigte, machte der Beau kurz vor Drehbeginn einen Rückzug. Der Dreh verzögerte sich, und auch Norton musste aufgrund anderer Verpflichtungen abspringen.
Laut Macdonald war diese unschöne Überraschung letztlich ein Segen für den Film: „Mit dem Drehbuch formte sich auch der Charakter der Hauptfigur, die Russell Crowe nun so brillant verkörpert. Er ist ein Chaot, hat keinen Erfolg bei Frauen und führt ein armseliges Privatleben – keine Rolle, in der man sich Brad Pitt gut vorstellen kann.“ Das Ergebnis gibt dem Regisseur Recht: Crowes Performance ist umwerfend – er macht aus einem stark inszenierten und erzählten Thriller ein echtes Highlight.
Crowe spielt den abgewrackten Reporter Cal McCaffrey, der für den Washington Globe zu einem Mord im Drogenmilieu recherchiert. Er ist ein abgebrühter, ungehobelter Typ, der ungern mit Kollegen zusammenarbeitet – schon gar nicht, wenn es sich um Grünschnäbel wie Della (Rachel McAdams) handelt. Die Online-Redakteurin soll über den vermeintlichen Selbstmord von Sonia Baker, der Geliebten des Kongress-Abgeordneten Stephen Collins (Affleck), schreiben und bittet Cal, Jugendfreund von Collins, um Hilfe. Doch während ihrer Recherchen stellt sich heraus, dass Cals Fall mit dem von Della in Verbindung steht. Als er erkennt, dass sie durchaus etwas auf dem Kasten hat, springt er über seinen Schatten und kooperiert mit ihr. Mit der taffen Chefredakteurin (Helen Mirren) im Rücken und stets unter Deadline-Druck, kommen die ungleichen Reportertypen (abgezockter Print-Hund und sexy Online-Huhn) einer Verschwörung auf die Spur, die auf die Machenschaften eines korrupten Militär-Sicherheitsdienstes zurückgehen, dem Collins bei einer Kongressanhörung die Pistole auf die Brust setzt. Doch dann gerät der vermeintliche Saubermann Collins unter Druck: Für Affären mit knackigen jungen Damen haben weder seine Frau (Robin Wright Penn) noch seine Partei noch die Öffentlichkeit Verständnis. Somit ist Cal bei seinen Ermittlungen stets zwischen journalistischer Objektivität und Loyalität zu seinem alten Freund hin- und hergerissen – und wird am Ende selbst zur Zielscheibe im Machtkomplott.
Nach seinem allseits gefeierten Spielfilmdebüt „Der letzte König von Schottland“ waren die Erwartungen hoch an das Zweitwerk des schottischen Regisseurs, der sich zuvor bereits als hervorragender Dokumentarfilmer erwiesen hatte. Sie werden nicht enttäuscht: Trotz der immensen Hypothek, die die Serienvorlage mit sich brachte, ist ihm das Kunststück gelungen, eine stimmige Neuadaption des (britischen) Stoffes zu inszenieren und diesen auf ein höheres, gemeingültigeres Level zu hieven.
Das rasante Tempo des klassischen Enthüllungsthrillers, die düstere Ästhetik im Stile eines 70er-Jahre-Nervenkitzlers (die zu Recht Vergleiche zum auch inhaltlich verwandten Klassiker „Die Unbestechlichen“ heraufbeschwört), intelligenter Witz, die immense Spannung und eine durchweg starke Besetzung (in der höchstens der wie immer recht eindimensionale Affleck abfällt) machen „State of Play“ zu einem der besten Thriller der letzten Jahre. Auch wenn einigen Figuren (vor allem dem verlebten Oldschool-Reporter, dessen Privatleben in Trümmern liegt) etwas weniger Klischeehaftigkeit gut getan hätte. Da Crowe jedoch erfrischend unaufdringlich spielt, lässt sich darüber hinwegsehen.
Keine Revolution bieten die Extras, die mit entfernten Szenen und Making-of solide Kost bieten. Hier hätte es sich doch eigentlich angeboten, eine kleine Kostprobe der Serie, ebenfalls seit kurzem auf DVD erhältlich, zu präsentieren.
Ergo: Russell Crowe brilliert in dieser glanzvollen Kinoadaption der gleichnamigen BBC-Mini-Serie als herrlich abgefuckter Enthüllungsjournalist. Großes Kino, das nebenbei brisante Fragen zur Zukunft des Journalismus aufwirft.
State of Play OT: State of Play, USA 2009 R: Kevin Macdonald D: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren FSK: 12 Jahre L: ca. 122 Minuten Bild: 16:9 (2,35:1) Ton: DD 5.1 (Deu, Eng, Tür) UT: Deu, Eng, Tür, Bul Extras: Entfallene Szenen, Making-of A: Universal Bereits erhältlichZum Beispiel hier
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