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Musik-Story: Dead By Sunrise – Furzgeräusche zum Sonnenaufgang

Bloged in Stories von admin Montag Oktober 26, 2009
Dead By Sunrise

DEAD BY SUNRISE

Treue Fans sind wünscht sich wohl jeder Musiker. In dieser Beziehung muss sich Linkin-Park-Sänger Chester Bennington also keine Sorgen machen: “Out Of Ashes”, das Debüt seines Side-Projects Dead By Sunrise, ist auf Platz 5 der deutschen Charts eingestiegen – für eine (auf dem Papier) Newcomer-Band im Rock-Bereich ein fast schon sensationelles Ergebnis.

Als Linkin Park nach Beendigung ihrer “Meteora”-Tour 2005 ein kleines Päuschen einlegen wollten, schrieb Workaholic Bennington fleißig weiter neue Songs. Schnell stellte er jedoch fest, dass dieses Material irgendwie anders war als sonst: dunkler, irgendwie grungig und dreckig. Also rief er seine alten Kumpels Ryan Shuck und Amir Derakh (Ex-Orgy und jetzt Julien-K) an, die diese Nummern gerne mit ihm einspielen wollten. „Diese Songs passten definitiv nicht zu Linkin Park, waren aber auch gut genug, um etwas damit zu machen“, erzählt ein bestens gelaunter und mit feschem Iro gestylter Bennington in einer Hamburger Nobelhotel-Suite. „Es wäre eine Schande gewesen, diese Songs unter den Tisch fallen zu lassen!“
Dass es tatsächlich eine richtige Entscheidung war, das für Linkin Park ungeeignete Material unter anderem Namen mit anderen Mitstreitern zu veröffentlichen, beweist nun der unerwartet hohe Charteinstieg der Platte. Natürlich ist sich Bennington aber auch der Tatsache bewusst, dass hier viele Fans seiner Haupt-Kombo mit am Werk waren. „Es gibt sowohl von Linkin Park als auch von Orgy viele Die-Hard-Fans, für die es völlig egal ist, was wir machen – ich meine, wir könnten ein Album mit Furzgeräuschen aufnehmen und die Leute würden das kaufen“, macht die spargeldünne Goldkehle Lust auf potenzielle Zukunftsprojekte. Allerdings betont er auch, dass er mit Dead By Sunrise nicht von dem Standing profitieren will, das er sich mit Linkin Park aufgebaut hat: „Wir wollen niemanden dazu verleiten, unsere Band nur deshalb zu mögen, weil er auch unsere anderen Bands mag. Wir wollen, dass die Leute diese Band wegen ihrer Musik mögen.“ Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang interessant, eine repräsentative Umfrage durchzuführen: Welcher Käufer von “Out Of Ashes” ist auch erklärter Linkin Park-Fan? Und welcher Linkin Park-Gegner mag Dead By Sunrise? Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Erfolg von Dead By Sunrise steht und fällt mit der Stimme von Chester Bennington.
Musikalisch geben sich Dead By Sunrise nach eigenem Bekunden also rauer und „dreckiger“ als Linkin Park – und inhaltlich? Man könnte hier mit einer Deutung des Bandnamens beginnen, doch auf so etwas hat Bennington absolut keinen Bock. „Die Leute legen immer so viel Bedeutung in einen Bandnamen“, nölt er genervt. „Ich meine, der Name Linkin Park bedeutet verdammt noch mal überhaupt nichts! Mir gefiel einfach der Klang von Dead By Sunrise, es fühlte sich irgendwie cool an. Klar, er bezieht sich auf Dinge, die passiert sind, Entscheidungen, die ich gefällt habe, und Phasen, die wir beim Aufnehmen des Albums durchlaufen sind. Der Name hat Schneid und vermittelt ein Gefühl der Verzweiflung – das gefällt mir an ihm.“
Worüber man mit Bennington eher sprechen darf als über den Bandnamen, sind die Inhalte seiner Songs. Mehr noch als bei Linkin Park, wo er sich textlich ja stets mit Frohnatur Mike Shinoda arrangieren muss, kann er bei Dead By Sunrise seine Dämonen exorzieren. Zwar finden sich auf “Out Of Ashes” auch ein oder zwei Liebeslieder, doch die Mehrzahl der Tracks widmet sich den Schatten von Benningtons Existenz. „Ich schreibe Songs über dunkle Themen, darüber, missbraucht zu werden, drogenabhängig zu sein und mich selbst zu hassen. Dazu habe ich eine Verbindung, so arbeitet mein Gehirn: Es taucht einfach immer wieder in die beschissenen Schatten ab! Manchmal geht es zwar ans Tageslicht, schreit dann aber ‚aaaahhhh’ und verzieht sich ganz schnell wieder nach drinnen.“ Dafür, dass Bennington so ein depressiver Typ sein will, gibt er sich im Interview dann aber doch ziemlich freundlich und redselig. Und erklärt am Ende, dass er nach seinen Gehversuchen in der Fashion-Industrie (mit seinem eigenen Label Ve’cel), der Gastronomie, dem Tattoo-Gewerbe und bei Cameo-Auftritten in „Crank“-Movies auch noch weitere Projekte plant. „Als nächstes steigen wir in die Pornoindustrie ein“, verspricht er vollmundig. Möglicher Arbeitstitel des Film-Debüts: “Lickin Park”. Au weia…

(erschienen auf metal-hammer.de 10/2009)


Dead By Sunrise

DEAD BY SUNRISE
“Out Of Ashes”
Warner Music
Bereits erhältlich
Guckst du hier


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