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Musik-Story: Arch Enemy – Rammbock aus der Hölle

Bloged in Stories von admin Sonntag Oktober 18, 2009
Arch Enemy

ARCH ENEMY

Zwei Jahre nach “Rise Of The Tyrant” meldet sich die kölnisch-schwedische Todes-Wuchtbrumme mit neuem Material zurück an der Front. Gut, wirklich „neu“ sind die zwölf Nummern auf “The Root Of All Evil” nicht – vielmehr handelt es sich um Neuinterpretationen von Songs der ersten drei Arch-Enemy-Scheiben, bei denen Angela Gossow noch nicht mit an Bord war.

Die Highlights aus der Prä-Gossow-Ära nun noch einmal neu einzuspielen, ist sicherlich kein unproblematisches Unterfangen. Ultra-Fans der ersten Tage könnten dies als frevlerischen Angriff auf geheiligtes Staatseigentum interpretieren. Wollen Arch Enemy durch das Aufpolieren ihrer Wurzeln jene indirekt verleugnen? Im Gegenteil, sagt Reibeisen-Chanteuse Gossow. „Wenn wir das hätten tun wollen, dann hätten wir ja die kompletten Alben noch mal neu aufnehmen müssen. Das soll eigentlich nur so eine Erinnerung sein: Hallo! Es gibt drei Alben von Arch Enemy, auf denen ist zwar ein anderer Sänger drauf, die sind aber auch ganz cool!“ Wie es der Titel letztlich auch andeutet, ist “The Root Of All Evil” also eher als Würdigung der Band-Anfänge gedacht.
Die Erzfeinde wollten einigen der „alten“ Songs jedoch auch deshalb neues Leben einhauchen, um diese endlich mal wieder live spielen zu können. Das konnten sie zwar auch vorher – es macht jedoch irgendwie nur halb so viel Spaß, wenn viele Fans die Nummern überhaupt nicht kennen. „Nach der Show wurden wir manchmal gefragt ‚ey, habt ihr da einen neuen Song gespielt?’ – und dabei war der 13 Jahre alt. Deswegen haben wir sukzessive einen Song nach dem anderen wegfallen lassen, weil die Reaktion so verhalten war“, erläutert Gossow das Problem mit dem alten Material. Andererseits muss man in diesem Fall auch die Frage aufwerfen, warum „Fans“ einer Band eigentlich deren Ursprünge nicht kennen.
Nun gibt’s die Rosinen der ersten drei Alben noch mal in komplett neuem Gewand – mit mehr Schmackes, besserem Sound und Gossow am Mikro. Wer die Idee interessant findet, Songs wie „Diva Satanica“, „Demonic Science“ oder „Bury Me An Angel“ ordentlich aufgepimpt aus den Boxen donnern zu hören, sollte definitiv ein Ohr riskieren – wer hingegen keinen Bock auf „Eigen-Cover“ hat und sich den alten Sound bewahren will, kann die ganze Chose ja auch einfach ignorieren. Ob sie mit dem Album irgendwelchen Arch Enemy-Puristen auf den Schlips treten könnten, ist Gossow und ihren Mannen ohnehin egal. „Wir sind eine Heavy-Metal-Band – im Prinzip machen wir uns über so etwas überhaupt keine Gedanken. Heavy Metal ist für mich der Inbegriff von Freiheit, auch von künstlerischer. Mit Arch Enemy machen wir unser eigenes Ding – wir sind so eine Art Rammbock, wir sehen rechts und links nichts und gehen einfach immer geradeaus durch alle großen, schweren Mauern durch.“
Anscheinend hat sich diese Praxis einmal mehr als Erfolg erwiesen, ging “The Root Of All Evil” doch immerhin auf 84 in den deutschen Albumcharts. Für einen Haufen neu eingespielter alter Songs einer Melodic-Death-Kapelle ein durchaus beachtliches Ergebnis. Zum Thema Heavy Metal und Mainstream hat Gossow dann aber ihre ganz eigene (Verschwörungs-)Theorie: „ Ich finde es eigentlich erschreckend, dass Heavy Metal so wenig in den Mainstream-Medien vertreten ist – im Radio, auf Viva und MTV müsste eigentlich den ganzen Tag Heavy Metal laufen, weil ich glaube, dass die Szene genau so groß ist wie die Pop- und Rock-Szene. Irgendjemand hat da, glaube ich, ganz große Angst – Heavy Metal ist ja auch ein politisches Statement, das ist eine wütende, rebellierende Szene. Und das passt nicht in das politische Programm der CDU.“ Oder irgendeiner anderen Partei im Deutschen Bundestag. Vorschlag daher: Gründung der Heavy-Metal-Partei (HMP) – mit Angela Gossow als Parteivorsitzender. Das wär’s doch!

(erschienen auf metal-hammer.de 10/2009)


Arch Enemy

ARCH ENEMY
“The Root Of All Evil”
Century Media
Bereits erhältlich
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