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Abgewrackt? Abgefuckt!

Bloged in Dissidenz von admin Dienstag April 21, 2009

Solarzellen
Heiderdaus, da hat die Bundesregierung ja mal so richtig die Spendierhosen übergeworfen: Die Abwrackprämie ist auf fünf Milliarden Euro, mehr als das Dreifache des eigentlich geplanten Budgets, aufgestockt worden. Trotz der vermeintlichen Generosität, die dieser feine Akt suggeriert, darf man doch aber wohl die berechtigte Frage stellen, wer diese „Prämie“ eigentlich finanziert. Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass dies nicht die Vorstandsschwerverdiener der Automobilkonzerne sind, die ihre Millionen auf steuerbefreiten Auslandskonten türmen, sondern vornehmlich das gemeine Volk, der Pöbel, diejenigen, für die 2500 Taler eine Menge Holz sind und die die Gunst der Stunde, von geschickter Politpropaganda verleitet, nutzen und somit dem kranken System einmal mehr auf den Leim gehen. Aber später nicht jammern, wenn es (natürlich nach der Bundestagswahl, versteht sich) Steuererhöhungen setzt! Irgendwer muss ja für die fünf Triple-Mille blechen. In beiden Sinnen des Wortes.
Doch nicht erst nach der Wahl, auch jetzt schon zahlen Sie – ja, Sie! – dafür, dass die Regierung einen auf Sherwood Forest macht. Sprich: Wenn Sie mit Ihrer Klapperkarre (Tipp: verschrotten, das Teil!) teures Benzin tanken, finanzieren Sie damit (u. a.) das neue Auto Ihres Mitbürgers Hans Wurst.
Wenn Sie sich tagtäglich für ein mickriges Gehalt abschuften (man muss doch aber dankbar sein, überhaupt Arbeit zu haben!), bezahlen Sie damit (u. a.) das neue Auto Ihres Mitbürgers Hans Käse. Wenn Sie eine schmoken, kriegen Sie ekligen Krebs und sterben einen qualvollen Tod, finanzieren dafür aber wenigstens auch das neue Auto Ihres Mitbürgers Hans Stulle. Oder die fetten Beamtendiäten für jene dämlichen Laberköppe, die Sie einst nach Berlin geschickt haben, damit sie dort an der Regierungsfront mal etwas verändern in diesem Land. Stattdessen erhöhen diese Heuchelzaren nun aber Ihre Steuern, um sich damit die eigenen Nasen und noch ganz andere Körperteile zu vergolden. Ich werd bekloppt hier!
In Japan übrigens geht man anders gegen die Binnenwirtschaftsmisere vor: Statt – wie im schönen deutschen Lande – die letzte Ölung der Autoindustrie durch ein abgekartetes Spiel künstlich nach hinten zu verschieben und somit auf die tote und, noch schlimmer, todbringende Pferdestärkelobby zu setzen, hat man dort nämlich sinnvolle Subventionen im Sinn. Zum einen pumpt Herr Asō jede Menge Yens in die Erforschung alternativer Technologien wie zum Beispiel Elektroautos. Außerdem auf der Agenda: die Förderung von Solarenergie. Mit anderen Worten: In Japan finanziert man die Zukunft – in Deutschland sabotiert man sie.
Natürlich trifft dies nicht nur auf Japan zu – auch andere Nationen sind clever: In Amerikaland erhält man etwa 5800 Euro, in China sogar 6700 Euro Steuervergünstigungen beim Kauf eines „Stromers“. Doch bleiben wir fair – auch Deutschland macht einem den Erwerb eines solchen Elektroautos schmackhaft: Fünf Jahre lang ist man von der Kfz-Steuer befreit und spart damit immerhin satte 140 Euro. Das sollte immerhin für eine Fahrkarte von wo auch immer bis nach Berlin reichen, um den dortigen Maden im Speck mal ordentlich die Fresse zu polieren. (Hier ein Tipp zur weiteren Lektüre)
Wie lächerlich ist eigentlich dieses „wir pumpen weiterhin fossile Brennscheiße in die Atmosphäre“-Konjunkturpaket, das die Frechheit besitzt, auch noch offiziell „Umweltprämie“ zu heißen? Als mündiger Bürger, der nicht gleich alles stehen und liegen lässt (i. e. seinen funktionsfähigen Pkw für eine neue Karre einschrottet, deren Produktionsenergie sich erst nach Jahren amortisiert (schon mal darüber nachgedacht?!)), wenn es etwas „gratis“ gibt, kann man mal wieder nur fassungslos den Kopf schütteln. Mal davon abgesehen, dass der Neuwagen-Wahn so ganz nebenbei Werkstätten, Ersatzteilzulieferer und was weiß ich noch für Industriezweige vor Existenzprobleme stellt. Aber egal, Hauptsache der politnahen Autoindustrie geht’s noch ein paar Jahre blendend, sprich: deren Köpfe können sich noch ein paar Pornoreisen mehr auf die Firmenrechnung setzen. Dass es bei der Chose um Arbeitsplätze gehen soll, ist doch eh nur populistische Volksverarsche.
In diesem Sinne: Ich fordere eine Generalabwrackprämie für Politiker und Industriemogule. Verschrotten wir die Alten und legen wir uns neue zu!

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